Logo.

Torre Bellesguard - Mittelalterliche Burg von Gaudí

Zuletzt aktualisiert: 19/01/2026
Alex

Die Torre Bellesguard in Barcelona beherbergte im Mittelalter einen katalanischen König und den notorischsten Räuber Spaniens - wenn auch nicht zur selben Zeit.

Als Antoni Gaudí einige Jahrhunderte später im Auftrag von Jaume Figueras ein Sommerhaus an der selben Stelle baute, erschuf er, inspiriert von der Geschichte der Torre Bellesguard, eine Hommage an die mittelalterliche Pracht Kataloniens.

Die Torre Bellesguard liegt im Norden von Barcelona, etwas abseits der vom Massentourismus getrampelten Pfade. Wer also keine Lust hat, vor den Gaudí-Häusern in der Innenstadt Schlange zu stehen, kann sich mit der Torre Bellesguard ein Gebäude im typischen naturalistischen Baustil von Antoni Gaudí ansehen.

Psst - Die Torre Bellesguard verbirgt einige gut gehütete Geheimnisse, die selbst vielen Barcelonesen nicht bekannt sind, unter anderem einen Drachen, ein weihnachtliches Lichterspiel und einen Viadukt.

Ticket Symbol.Wenn ihr eure Tickets über einen der Affiliate-Links in diesem Artikel bucht, erhalte ich vom Anbieter eine Provision. Für euch verändert sich der Preis nicht. So helft ihr mir, diesen Blog aktuell zu halten.

Carrer Bellesguard 20, 08022 Barcelona

Av. Tibidabo L7 , weiter mit Bus Linie 196

Hop On Hop Off Bus Station Tibidabo, weiter mit Linienbus 196

kein Rabatt mit Barcelona Card etc.

Wie kommt man zur Torre Bellesguard?

Die Torre Bellesguard liegt in Sarría-Sant Gervasi, einer ruhigen und exklusiven Wohngegend am Rande des Naturparks Collserola. Sie ist eine der wenigen Sehenswürdigkeiten in Barcelona, die nicht direkt mit der Metro oder zu Fuß zu erreichen ist, weshalb sie nicht so gut besucht ist wie andere Bauten von Gaudí.

Dank Google Maps und dem gut ausgebauten Verkehrsnetz von Barcelona ist die Torre Bellesguard aber recht unkompliziert zu erreichen.

Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Torre Bellesguard

Mit der S-Bahnlinie L7 der FGC (Ferrocarrils de Catalunya) ab Plaça Catalunya bis Av. Tibidabo.
Weiter mit dem Bus der Linie 196 bis Bellesguard - Josep Canaleta (9 Stationen).
Die Haltestelle für den Ausstieg auf der Rückfahrt (an der S-Bahnstation) ist Av Tibidabo - Pg Sant Gervasi (5 Stationen).

Der Bus fährt ca. alle 15 Minuten. Alternativ kann man ab der S-Bahnstation auch 15 Minuten zu Fuß zur Torre Bellesguard gehen, der Weg führt teilweise leicht bergauf.

Mit dem Hop-On-Hop-Off Bus zur Torre Bellesguard

Auch die Hop-On-Hop-Off Busse halten nicht direkt vor der Torre Bellesguard. Mehr Info über die praktischen Sightseeing-Busse könnt ihr auf diesem Blog nachlesen.

Bus Turístic: Blaue Route, Station Tibidabo - Plaça Kennedy
Barcelona City Tour: Ost-Route, Haltestelle Tibidabo

Weiter zu Fuß (ca. 17 Minuten) oder mit dem Bus der Linie 196.

Öffnungszeiten der Torre Bellesguard

Dienstag - Sonntag 10 - 15 Uhr (letzter Eintritt 14:00 Uhr)

Geschlossen: Montags, außer an Feiertagen
01.01. + 06.01. und 25.12. + 26.12.

Eine Tafel mit den Öffnungszeiten vor der Torre Bellesguard.

Wegen der vielen Treppen ist das Innere der Torre Bellesguard für Rollstuhlfahrer nur beschränkt zugänglich.

Onlinetickets Torre Bellesguard

Es kann zwischen einer selbstgeführten Tour mit Audioführer und einer geführten Tour gewählt werden.

Die Eintrittspreise beinhalten die Besichtigung der Torre Bellesguard von innen sowie den großen Garten und die ehemaligen Wehrtürme.

Die Tickets sind über die unten stehenden Links günstiger als über die offizielle Webseite der Torre Bellesguard, wo zusätzliche Bearbeitungsgebühren anfallen.

Ticket Symbol. Selbstgeführte Tour mit Audioführer

Erwachsene: 12 €
Jugendliche unter 18 Jahre: 9 €
Kinder unter 8 Jahren: Eintritt frei
Rentner und Personen ab 65 Jahren: 9 €

Die über den obigen Link gekauften Tickets können bis kurz vor Besichtigung kostenfrei storniert und umgebucht werden.

Im Ticketpreis der Torre Bellesguard ist ein Audio-Führer beinhaltet, den man am Eingang erhält. Es kann zwischen Katalanisch, Spanisch, Englisch, Französisch, Russisch und Italienisch gewählt werden, auf Deutsch ist der Audio-Führer leider nicht erhältlich.

Kopfhörer müssen selbst mitgebracht werden (der 3,5 mm Stecker der iPhone Kopfhörer hilft hier wenig). Zur Not kann man dem Audioführer auch ohne Kopfhörer lauschen.

In den Innenbereich wird man vom Personal des Turms begleitet, die in regelmäßigen Abständen eine Gruppe von Besuchern aufnehmen.

Selfie mit der Torre Bellesguard von der Aussichtsplattform.

Ticket Symbol. Geführte Besichtigungen

  • Erwachsene: 20 €
  • Jugendliche unter 18 Jahre: 15 €
  • Kinder unter 8 Jahren: Eintritt frei
  • Rentner und Personen ab 65 Jahren: 15 €

Die geführten Besichtigungen der Casa Bellesguard finden auf Englisch, Katalanisch und Spanisch statt.

Geführte Touren auf Englisch:

Donnerstag - Sonntag um 11 Uhr

Geführte Touren auf Spanisch:

Donnerstag - Samstag um 12 Uhr
Sonntags um 13:15 Uhr

Geführte Touren auf Katalanisch:

Donnerstags - Samstags um 13:15 Uhr
Sonntags um 12 Uhr

Die Dauer der Führung beträgt c.a. 40 Minuten.

Im Anschluss erfahrt ihr ein bisschen über die Geschichte und die Architektur der Torre Bellesguard. Alternativ könnt ihr auch direkt zu meinem Erfahrungsbericht springen.

Zur Besichtigung springen

Berühmte Bewohner der Torre Bellesguard

Die Torre Bellesguard wurde im 15. Jahrhundert von König Martin I. erbaut, der die Burg nur knapp ein Jahr lang bis zu seinem Tod bewohnte.

Im Laufe ihrer langen Geschichte fiel der Turm in verschiedene Hände und diente unter anderem als Zufluchtsort für Könige, Päpste und Waisenkinder. Über die Jahrhunderte wurde die Torre Bellesguard fast vollständig zerstört und stand viele Jahre leer.

Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete der stadtbekannte Architekt Antoni Gaudí auf dem Grundstück ein Sommerhaus für die Familie Figueras. Damals war es üblich, die Häuser nach ihren Besitzern zu benennen, weshalb der offizielle Name der Torre Bellesguard auch eine Zeit lang Casa Figueras lautete.

Die Torre Bellesguard im Mittelalter - Königssitz und Räubernest

Die Torre Bellesguard wurde 1409 auf Wunsch von König Martín I. (aka Martin der Humane) gebaut, der unter der Krone von Aragonien als Graf von Barcelona regierte.

Der kränkliche und in die Jahre gekommene Monarch suchte Zuflucht vom (auch damals schon) hektischen Treiben in Barcelona. Als Standort für seinen neuen Palast wählte er die Gemeinde Sant Gervasi, die noch nahe genug an Barcelona lag, falls königliche Pflichten ihn an den Hof rufen sollten.

Für seine Zwecke kaufte er ein Grundstück mit einer bereits bestehenden Finca, die er in einen königlichen Palast und in eine Sommerresidenz für Könige und Grafen umwandeln ließ.

Angetan von der herrlichen Aussicht über die Ebene von Barcelona gab Martin I. der Burg ihren Namen: Bell Esguard, was "Schöner Blick" bedeutet. Der Palast selbst wurde schnell als Domus pulchri aspectus bekannt, frei übersetzt: das schöne Haus.

Das Rosettenfenster von außen, darunter eine Steintafel mit der Aufschrift "Bell Esguard".
Eine Steintafel gibt den Namen der Burg preis

Lange konnte der Monarch die schöne Aussicht allerdings nicht genießen. Kurz nach Antritt seiner Residenz in der Torre Bellesguard erfuhr er vom Tod seines Sohnes und einzigen Erben. Nur wenige Monate später verstarb Martin I. selbst unter ungeklärten Umständen, auf halbem Weg zwischen der Torre Bellesguard und Barcelona.

Ohne Thronfolger war Martin I. der Letzte einer Reihe katalanischer Könige und es folgten zwei turbulente Jahre, bis eine kastilische Dynastie von Königen Einzug an Barcelonas Hof hielt. Die Torre Bellesguard stand lange Zeit unbewohnt und verfiel.

Es wird gemunkelt, dass der berühmt-berüchtigte Bandit Joan Serrallonga die Ruinen der Torre Bellesguard als Räuberhöhle und Versteck nutzte. Das Image des notorischen Banditen aus Girona, der sein Unwesen hauptsächlich in den Hügeln der Sierra de las Guillerías trieb, wurde über die Jahrhunderte romantisiert und Serrallonga als spanischer Robin Hood glorifiziert.

Die Torre Bellesguard durch das Gemäuer des alten Wehrturms gesehen.

Serrallonga wurde 1934 in Barcelona gehängt und sein zerstückelter Körper als Abschreckung für andere Banditen an den verschiedenen Orten verteilt, an denen er zu Lebzeiten sein Unwesen getrieben hatte. Der Legende nach gelangte so ein Stückchen von Serrallonga zurück in die Torre Bellesguard und wurde dort eingemauert.

Die Torre Bellesguard (Casa Figueras) in der Neuzeit

Jaume Figueras und Antoni Gaudí träumten bereits längere Zeit von der Restaurierung der Torre Bellesguard. Die Freunde teilten ihren Nationalstolz für Katalonien und waren von dem symbolischen Wert der Ruinen fasziniert, die einst den letzten katalanischen König beherbergten.

Als Kenner vergangener Architekturstile, insbesondere der katalanischen Gotik, juckte es Gaudí in den Fingern, auf dem Anwesen eine Hommage an die mittelalterliche Pracht Kataloniens zu erschaffen.

Figueras, dessen Familie unter anderem mit Suppennudeln zu Geld gekommen war, visualisierte an diesem prestigeträchtigen Ort sein Herrenhaus, starb aber einige Jahre vor Projektbeginn.

1900 kaufte Figueras Witwe Maria Sagués das Grundstück von den Testamentsvollstreckern des Vorbesitzers Juan Bautista Grau, dem Bischof von Astorga. Der Bischof war ebenfalls ein guter Freund Gaudís, der zwischen den Parteien vermittelte. Nachdem auch Maria Sagués verstarb, ging das Grundstück in den Besitz der Söhne über.

Gaudï stellte das Projekt 1909 aus verschiedenen Gründen ein und erst 1916 wurde die Torre Bellesguard von Gaudís Azubi Domenèch Sugrañes fertiggestellt, der vor allem für die Dekoration im Haus und im Garten verantwortlich war.

Der Garten und die Torre Bellesguard.

1929 wurde die Torre Belleguard aus finanziellen Gründen versteigert und ging in den Besitz von Francisco Soler über. Soler scheint selbst nie in der Torre Belleguard gewohnt zu haben, die von Gaudí entworfenen Originalmöbel ließ er in seine Hauptvilla überführen.

Während des Zivilkriegs und Anfang des zweiten Weltkriegs diente die Torre Bellesguard als Waisenhaus. 1940 ging die Torre Bellesguard in den Besitz der Familie Guilero über und wurde als Entbindungsklinik genutzt, bis sie 1970 ausschließlich als Wohnsitz der Familie diente.

Um die laufenden Kosten der Instandhaltung der Torre Bellesguard zu tragen, wurde das Haus für Touristen zugänglich gemacht. Letztendlich konnten die Kosten nicht mehr privat getragen werden und die Torre Bellesguard 2018 zu einer Summe von über 33 Millionen and die Versicherungsfirma Catalana Occidente verkauft.

Architektur der Torre Bellesguard

Inspiriert von der langen und bewegten Geschichte der Torre Bellesguard schuf Gaudí eine mittelalterliche Burg im gotischen Stil, geprägt von modernistischen Elementen. Wie man das von Gaudí gewohnt ist, arbeitete der Architekt mit viel Liebe zum Detail und versteckte Symbole erzählen von den vergangenen Ereignissen und ehemaligen Bewohnern der Burg.

Die Restaurierung der Burg begann 1900 und umfasste die Rekonstruktion der Mauern, die das Anwesen umgeben. Die zwei erhaltenen Wehrtürme wurden von Gaudí in den Garten integriert.

Gaudí strebte bei seinem Schaffen immer nach dem Einklang mit der Natur. So verwendete er auch beim Bau der Torre Bellesguard die natürlichen Ressourcen aus der Umgebung, mit dem Ziel, die Burg in die Landschaft einzufügen.

Die Fassade aus mehrfarbigem Schieferstein schmiegt sich wie eine schuppige Haut an das Gebäude und je nach Wetter und Jahreszeit lässt sie das Haus buchstäblich in anderem Licht erscheinen.

Mit nur wenigen gotischen Elementen, wie den schmalen Fenstern, den Zinnen und der in den Himmel strebenden Turmspitze, gewinnt das relativ niedrige Gebäude an Höhe und Eleganz. Die geraden, strengen Linien der Burg, die er bei seinen anderen Werken mied, versuchte Gaudí mit Steinmosaiken an Fenstern und Türen aufzulockern.

Die Turmspitze gipfelt in einem vierarmigen Kreuz, wieder ein typisches Bauelement Gaudís, das man auch in vielen seiner anderen Werke findet. Das Kreuz endet im unteren Teil in einer Krone und erinnert an die historische Vergangenheit der Torre Bellesguard.

Die Torre Bellesguard von außen im Sonnenschein.

Besichtigung der Torre Bellesguard

Die Besichtigung der Torre Bellesguard umfasst den Turm und den restaurierten mittelalterlichen Komplex, wo noch Reste der ursprünglichen Anlage enthalten sind.

An dem Kiosk am Eingang erhält man nach Vorzeigen des Online-Tickets einen Audioführer, Kopfhörer müssen selbst mitgebracht werden. Es geht auch ohne Kopfhörer, aber die Lautstärke ist ziemlich niedrig und man muss sich das Gerät direkt ans Ohr halten. Außerdem erhält man einen Plan des Grundstücks und wird über den Ablauf der Besichtigung informiert.

Der Turm kann nur in Begleitung des Personals betreten werden und man bekommt ein Zeitfenster zugeteilt, zu dem man sich am Eingang des Turms einzufinden hat (in unserem Fall 15 Minuten nach Besichtigungsbeginn). Nach Besichtigung des Inneren der Torre Bellesguard kann man noch solange im Garten verweilen, wie man will.

Wir haben die selbstgeführte Audio-Tour mitgemacht, eine geführte Besichtigung läuft natürlich etwas anders ab.

Der Garten

Gleich nach Betreten des Geländes befinden sich auf der linken Seite die Reste der Wehrtürme, wo Gaudí einen rechteckigen Raum schuf. Über die Treppen gelangt man nach oben zu den Zinnen, von denen man den ersten, beeindruckenden Blick auf die Torre Bellesguard werfen kann.

Der Garten mit Blick auf die Torre Bellesguard durch Bäume hindurch.

Der Garten lag Martin I. ganz besonders am Herzen und das erste, was der Monarch anforderte, waren Samen für verschiedene Obstbäume sowie Sklaven mit landwirtschaftlicher Erfahrung.

Auch die spätere Besitzerin Maria Saguès hatte ein Herz für Bäume (und Süßes) und ließ weitere Obstbäume für Marmelade und Honig pflanzen sowie Rosskastanien, Weiden, Lorbeerbäume, Linden und Palmen.

Im Garten befinden sich außerdem die Toiletten.

Im Inneren der Torre Bellesguard

Das Innere der Torre Bellesguard kann nur in Begleitung eines Mitarbeiters betreten werden, die die kleinen Gruppen aufnehmen (wir waren nur zu viert) und sich dann diskret zurückziehen.

Nachdem man die wuchtigen Mauern der Burg durch die schmiedeeiserne Tür betritt, findet man sich in einem eleganten und lichtdurchfluteten Raum wieder. Ein ähnliches Erlebnis hat man, wenn man das erste Mal die Sagrada Familia betritt.

Im Inneren der Torre Bellesguard genoss Gaudí völlige Ausdrucksfreiheit. Die geraden Linien der gotischen Burg verschwinden und es übernimmt der modernistische Stil mit seinen weichen, abgerundeten Formen.

Gaudí verzichtete im Inneren weitgehend auf Farben und Ornamente. Alle Fenster sind nach der Bewegung der Sonne ausgerichtet, um eine natürliche Beleuchtung zu gewährleisten und die weiß gekachelten Wände und Decken im Mudejar Stil bringen das einfallende Tageslicht intensiv zur Geltung. Hauptlichtquelle ist ein großes Fenster mit einer dreidimensionalen, farbigen Rosette, die den schönen Namen "Der Stern der Venus" trägt und einen achtzackigen Stern symbolisiert.

Fällt das Sonnenlicht nachmittags zu einer bestimmten Uhrzeit zu einem bestimmten Winkel durch die Rosette, zeichnet sich ein Lichteffekt auf der gegenüberliegenden Wand ab (diesen Effekt kann ich leider nicht bestätigen, da Nachmittags keine Besichtigungen stattfinden). Laut Quellen ist das Farbspiel am 25. Dezember zwischen 16 und 17 Uhr am ausgeprägtesten (Gaudí war streng gläubig).

Die hohe Eingangshalle mit buntverglasten Fenstern und einem Kronleuchter.

Die Wohnbereiche waren auf den verschiedenen Stockwerken der Torre Bellesguard verteilt. Das Untergeschoss und Teile des Erdgeschosses standen dem Servicepersonal zur Verfügung und im Hauptgeschoss lagen die Wohn- und Esszimmer, in denen auch Gäste empfangen wurden. Die privaten Räume und Schlafzimmer der Bewohner waren im Obergeschoss untergebracht.

Während unserer Besichtigung waren die meisten Räume verschlossen.

Blick auf den Balkon, der von einem der Zimmer des Turms abgeht.

Der Turm endet in einem Gewölbe unter der Turmspitze, das an ein Spinnennetz erinnert. Von hier geht ein unmöbliertes Zimmer ab, von dessen Balkon man schwindelerregende Blicke auf den Garten hat. Während unseres Besuchs war dies das einzige Zimmer, das für die Besichtigung geöffnet war.

Beim Anblick des Dachgeschosses wird es spannend, denn wer schon andere Werke von Gaudí besucht hat, ahnt, dass das Beste noch bevorsteht.

Das Dachgeschoss besteht aus zwei Stockwerken und bildet eine Art thermische Schutzhaube zwischen dem Dach und den Wohnräumen, wie man das auch von Gaudís Pedrera kennt.

Wie damals üblich wurde ein Teil des Dachgeschosses vom Dienstpersonal als Waschküche genutzt. Der heute zugängliche Teil sollte aufgrund der hervorragenden Akustik als Musikzimmer dienen. Der Raum wurde nie fertiggestellt, was uns heute einen guten Einblick auf die Ziegelstruktur erlaubt.

Das Dachgeschoss mit Säulen und Bögen aus Backstein.

Die Parabelbögen aus Ziegelstein stützen das darüberliegende Dach und erinnern an eine umgekehrte Krone und an den Monarchen, der hier einst lebte. Über eine letzte Treppe geht es hinauf aufs Dach.

Der verborgene Drache auf dem Dach

Bei den meisten Häusern, die Gaudí schuf, endet die Besichtigung auf dem Dach, dem er dieselbe Aufmerksamkeit schenkte wie dem Rest der Gebäude.

Auf dem zinnenhaften Dach der Torre Bellesguard.

Auch das Dach der Torre Bellesguard ist eines der Highlights der Besichtigung. Es ist zwar nicht so breit wie die skurrile Dachterrasse der Pedrera, dafür führt es über mehrere enge Treppen in die Höhe und endet auf einem zinnenartigen Aussichtsturm.

Wenn man an der Zinnenbrüstung am unteren Bereich der Terrasse entlanggeht, merkt man zunächst nicht, dass man dabei beobachtet wird. Erst wenn man sich genau an die richtige Ecke stellt, blickt man dem Drachen, der sich auf dem Dach versteckt, direkt in die Augen und in die aufgeblähten Nüstern.

Das Dach des Turms symbolisiert einen Drachen.

Schaut man sich nun das obere Foto der Aussichtsplattform nochmal an, fällt es einem buchstäblich wie Schuppen von den Augen und man entdeckt in den Zinnen den Rücken des Drachen, samt nach oben ragendem Schwanz mit Pfeilspitze.

Der Drache ist ein immer wiederkehrendes Symbol in Gaudís Werken. Das bekannteste Beispiel ist die Drachenterrasse der Casa Batlló, an der er zur selben Zeit arbeitete.

Schon im Mitteljahr beflügelte die feuerspeiende Echse die Phantasie der Menschen und es war kein anderer als Pedro IV, der Vater und Vorgänger von Martin I, der den Drachentöter Sankt Georg offiziell zum Schutzheiligen von Aragón erklärte (und somit auch zum Schutzheiligen von Katalonien und Barcelona).

Der Drache taucht in der Torre Bellesguard und im Garten mehrmals auf, aber nicht mehr so groß (und doch so unsichtbar) wie auf dem Dach.

Ausblick von den Zinnen der Torre Bellesguard auf Barcelona und das Meer.

Wie der Name der Burg verrät, hat man vom Dach der Torre Bellesguard einen schönen Panoramablick auf Barcelona, das sich vom Tibidabo im Norden bis zum Mittelmeer im Süden erstreckt.

Man kann sich regelrecht vorstellen, wie einst Martin I. von der Burg auf das Meer in der Ferne blickte und so vom Tod seines einzigen Sohnes erfuhr. Die von einer Schlacht auf Sardinien zurückkehrende Flotte gleitete mit gehissten weißen Segeln in Barcelona ein und die Unglücksfarbe ließ Böses erahnen.

Martin Jr. starb übrigens nicht in der Schlacht, die siegreich für die Katalanen ausging, sondern an Malaria.

Die schicksalsreiche Szene wurde an einer der Bänke vor dem Turm verewigt. Das Mosaik zeigt ein Schiff mit aufgeblähten weißen Segeln vor der untergehenden Sonne: mit dem Tod des Thronfolgers starb die Dynastie der katalanischen Könige aus und eine neue Ära stand bevor.

Ein versteckter Viadukt

Als Maria Sagués das Grundstück 1900 erwarb, verlief ein öffentlicher Weg vom Dorf durch die Burgruinen zum Friedhof. Gaudí beschloss, den Weg außerhalb der Mauern an einem Wildbach vorbei umzuleiten. Um das starke Gefälle auszugleichen, baute Gaudí ein Viadukt, dessen Pfeiler das Gewicht des darüber verlaufenden Wegs trugen.

Der Viadukt wurde 1908 nach Fertigstellung des Turms erbaut und mit Steinen der Umgebung verkleidet, in Harmonie mit der umliegenden Natur.

Der restaurierte Viadukt, den man heute sieht, ist etwas kleiner als das Original und gibt einen Vorgeschmack auf den berühmten Viadukt der Waschweiber im Park Güell.

Einer der Säulengänge im Park Güell.
Viadukt im Park Güell

Der Viadukt liegt direkt vor dem Eingang der Torre Bellesguard - allerdings eine Ebene tiefer. Wir haben buchstäblich darüber geparkt und erst nach unserem Besuch von seiner Existenz erfahren.

Lohnt sich ein Besuch der Torre Bellesguard?

Die Torre Bellesguard ist ein einmaliges Bauwerk in Barcelona. Von außen eine mittelalterliche Burg, die eine jahrhundertealte Vergangenheit symbolisiert und von innen ein Musterbeispiel des katalanischen Jugendstils. Für Gaudí, ein Experte der katalanischen Geschichte und vergangener Baustile, war die Torre Bellesguard ein Herzensprojekt, in das er seine ganze Kreativität fließen ließ.

Trotzdem ist die Torre Bellesguard eines der unbekannteren Werke von Antoni Gaudí, was hauptsächlich daran liegt, dass sie etwas abseits vom Zentrum liegt. Dennoch lohnt sich ein Besuch der Torre Bellesguard für alle, die etwas Zeit mit nach Barcelona bringen und dem hektischen Stadtzentrum entfliehen möchten.

Wer nur kurze Zeit in Barcelona ist und so viele Sehenswürdigkeiten wie möglich besichtigen möchte, wird wahrscheinlich einen Besuch der Casa Batlló oder der Casa Milà im Zentrum von Barcelona vorziehen.

Für mich ist die Torre Bellesguard eines der schönsten Werke von Gaudí und wenn ich mir ein Gaudí-Haus aussuchen könnte, um darin zu wohnen, wäre das sicherlich die Torre Bellesguard, die genau die Richtige Mischung aus Geschichte, Natur und Wohnkomfort mit sich bringt.

Sehenswürdigkeiten in der Nähe der Torre Bellesguard

Die Torre Bellesguard befindet sich am nördlichen Stadtrand von Barcelona, mit nur wenigen Attraktionen in unmittelbarer Nähe. Eine davon ist das interaktive Wissenschaftsmuseum CosmoCaixa, in dem Erwachsene und Kinder auf anschauliche Weise über verschiedene Aspekte der Natur belehrt werden.

Zu Fuß braucht man zum Museum entlang der Carrer d'Isaac Newton, die parallel zur Ringstraße Ronda de Dalt verläuft, ungefähr 10 Minuten. Alternativ kann man an der Station Bellesguard an der Ronda de Dalt einen der Busse der Linien 196 oder H2 nehmen, die einen in ca. 2 Minuten bis vor die Eingangstür des CosmoCaixa befördern (Haltestelle Ausstieg: Císter).

Ebenfalls in der Nähe, ungefähr. 20 Minuten zu Fuß, liegt die Standseilbahn Cuca de Llum, die hoch auf den Tibidabo führt (ab dem CosmoCaixa Museum geht man c.a. 7 Minuten). Der Weg führt am CosmoCaixa vorbei, entlang der Ronda de Dalt. Bis zum Museum kann auch der Bus genommen werden.

Geschrieben von Alex

Als ich vor 15 Jahren das erste Mal nach Barcelona kam, habe ich mich sofort in diese wunderschöne Stadt verliebt, also bin ich direkt hiergeblieben und mittlerweile ist Barcelona zu meiner Heimat geworden. In diesem Blog will ich euch "meine" Stadt vorstellen und euch zeigen, was Barcelona so besonders macht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

magnifiercrosschevron-downCookie Consent Banner von Real Cookie Banner linkedin facebook pinterest youtube rss twitter instagram facebook-blank rss-blank linkedin-blank pinterest youtube twitter instagram