Das Picasso Museum in Barcelona - Aus den Augen eines Kunstbanausen

Zuletzt aktualisiert: 13/06/2024
Alex

Das Picasso Museum ist das meistbesuchte Museum in Barcelona und ein Muss für jeden Kunstliebhaber und Picasso Fan. Aber lohnt sich ein Besuch des Museums auch für Kunstbanausen, so wie ich es bin?

Lange Zeit habe ich mich davor gedrückt, dem Picasso Museum einen Besuch abzustatten. In Barcelona gibt es so viel zu entdecken und wenn ich ehrlich bin, stehen Museen auf meiner Bucket List immer ganz unten.

Aber schließlich hat Picasso hat einige Jahre in Barcelona gelebt und es war hier, wo er seine unvergleichliche Karriere als berühmtester Maler des 20. Jahrhunderts begann.

So begab ich mich also auf die Spuren von Picasso und stattete dem Museum einen Besuch ab. Außerdem besuchte ich die Taverne, wo er und seine kreativen Zeitgenossen schon gemütlich beisammen saßen und entdeckte mitten im Zentrum sein größtes Kunstwerk, in voller Sicht, aber oft übersehen.

Hier erzähle ich euch, wie ich meinen ersten Besuch im Picasso Museum nach 13 Jahren in Barcelona empfunden habe.

Öffnungszeiten Picasso Museum 2024

1. November - 30. April

Dienstag - Sonntag: 10 - 19 Uhr

1. Mai - 31. Oktober

Dienstag, Mittwoch und Sonntag: 9 - 20 Uhr
Donnerstag, Freitag und Samstag: 9 - 21 Uhr

Geschlossen:

Montags (einschließlich Feiertage)
1. Januar
1. Mai
24. Juni
25. Dezember

Spezielle Öffnungszeiten:

5. Januar: 10 - 17 Uhr
24.12. + 31.12. 10 - 14 Uhr

Freier Eintritt:

1. November - 30. April

Donnerstags zwischen 16 und 19 Uhr

1. Mai - 31. Oktober

Donnerstag, Freitag + Samstag 19 - 21 Uhr

Jeden ersten Sonntag im Monat

Tag der offenen Tür 2024

11.2., 18.5., 24.9.

Auch für freien Eintritt müssen vorab Tickets über die offizielle Webseite des Picasso Museum besorgt werden. Der Audioführer kann zusätzlich gekauft werden.

Rucksäcke müssen in den Schließfächern zurückgelassen werden. Wasser darf ebenfalls nicht mit ins Museum genommen werden.

Eintritt und Führungen Picasso Museum

Die Standardtickets sind mit oder ohne Audioführer ab 12 EUR über die offizielle Webseite des Museums, oder am Schalter erhältlich.

Ich weiß nicht, wie voll das Museum zur Hochsaison wird, wer unbedingt und zu einer bestimmten Uhrzeit rein will, sollte auf Nummer Sicher gehen und die Tickets vorab Online kaufen.

Zudem bietet GetYourGuide *Führungen durch's Picasso Museum an, die euch nicht vorenthalten möchte und die mir helfen, Artikel wie diesen zu schreiben. Für jeden getätigten Kauf über einen der mit * gekennzeichneten Links, erhalte ich nämlich eine kleine Kommission. Euch entstehen dadurch keine Nachteile.

Stolze Besitzer der *Barcelona Card oder der Barcelona Museumskarte *Articket erhalten freien Zutritt und können die Schlange direkt überspringen.

Pablo Picasso - Der Künstler

Zu behaupten, dass Pablo Picasso mit seinem einzigartigen, innovativen Stil die Kunst des 20. Jahrhunderts revolutionierte, ist wohl nicht übertrieben. Sein Leben lang entwickelte er neue Formen, um sich auszudrücken und scheute sich dabei nicht, bestehende Regeln zu brechen.

Der Künstler experimentierte mit verschiedenen Stilen, die vom Realismus über die Moderne, bis hin zum Surrealismus und Expressionismus reichten. Weltruhm erlangte Picasso mit seinen Werken des Kubismus, ein Stil der zum klassischen Modernismus zählt und den er zusammen mit Georges Braque gründete.

Seine Kreativität beschränkte sich dabei nicht nur auf Gemälde, er schuf unter anderem auch Skulpturen und Keramik. Und als sei das nicht genug, beschäftigte sich der rastlose Picasso nebenher noch mit Poesie und Literatur und schrieb zwischen 1935 und 1959 mehr als 350 Gedichte und nicht weniger als 3 Theaterstücke.

Drei Keramikteller mit Gesichter.

Picasso - Kindheit

Pablo Picasso wurde 1881 in Málaga in Südspanien geboren und begann bereits im frühen Kindheitsalter zu malen. Sein Vater, der selbst Maler und Zeichenlehrer war, erkannte und förderte das Talent seines Sohnes. Er lehrte ihn formale Zeichentechniken und mit zarten acht Jahren war der junge Pablo bereits ein Experte in Ölgemälden.

Während der darauffolgenden Jahre, die er in Málaga und in A Coruña im Norden Spaniens verbrachte, schuf er zahlreiche Zeichnungen und Gemälde im akademischen Stil, von denen viele im Museum in Barcelona besichtigt werden können und die seine rasche Entwicklung veranschaulichen.

1895 zog er mit seiner Familie nach Barcelona, wo sein Vater einen Lehrposten an der Kunstakademie angenommen hatte.

Pablo Picasso und die Stadt Barcelona

Pablo Picasso war fast 14 Jahre alt, als er mit seiner Familie nach Barcelona kam und seine unvergleichliche Karriere als einer der bekanntesten Künstler des 20. Jahrhunderts begann.

Dort hat alles angefangen. Dort habe ich verstanden, wie weit ich gehen kann.

Pablo Picasso

Nicht nur absolvierte er die Prüfung zur Aufnahme an der Kunstakademie La Llotja, an der sein Vater lehrte, an nur einem Tag, sondern übersprang auch die ersten beiden Semester.

Seine Werke aus jener Zeit entstanden unter dem starken Einfluss seines Vaters und sind hauptsächlich im akademischen Realismus gehalten. Sie portraitieren Familienmitglieder und Personen aus seinem Bekanntenkreis, wie das folgende Gemälde seiner Schwester Lola bei ihrer Erstkommunion.

Ein Gemälde, das die Schwester Picasso's bei der Erstkommunion zeigt.

Jugendstil und Avantgarde

In Barcelona wuchs Ende des 19. Jahrhunderts eine neue Generation Künstler heran die, beeinflusst vom Jugendstil, mit den traditionellen Ausdrucksmethoden brach und den Modernisme vertrat. Auch der junge Picasso kam hier das erste Mal in Kontakt mit der modernen Kunstrichtung, die den Weg für die darauffolgende Avantgarde ebnete und seine späteren Werke beeinflussen sollte.

Hervorgerufen vom Selbstmord seines Freundes Carles Casagemas, durchlief Picasso während seiner letzten Jahre in Barcelona eine Epoche von Melancholie und Sozialkritik, die sich in seinen Werken widerspiegelt, die in kühlen, blauen und grünen Farbtönen gehalten sind. Die blaue Periode beendete seine akademische Phase und der Künstler entwickelte zum ersten Mal seinen eigenen Stil.

Variation bedeutet nicht Evolution. Wenn ein Künstler seine Ausdrucksweise ändert, bedeutet das nur, dass er seine Denkweise geändert hat, zum Guten oder zum Schlechten.

Pablo Picasso

Els Quatre Gats

Mit dem Els Quatre Gats gründeten 1897 vier Künstler das Gegenstück zum Le Chat Noir in Paris und die Taverne entwickelte sich schnell zum Treff- und Trinkpunkt der Kunstszene in Barcelona. Zu den Stammgästen zählten Artisten, Schriftstellern, Musiker und Schauspieler und es wurden regelmäßig Ausstellung, Vorlesungen und Schattenspiele abgehalten.

Auch der noch unbekannte Picasso, der bislang nur anonymer Besucher der Taverne war, hielt im Quatre Gats 1900 seine erste Einzelausstellung ab, hauptsächlich Kohlezeichnungen verschiedener Persönlichkeiten der Bar und aus seinem Bekanntenkreis. Auch wenn die Ausstellung nur auf mäßiges Interesse stieß, half sie ihm, sich vollständig in die Kunstszene des Els Quatre Gats und Barcelona zu integrieren, erste Kontakte in der Kunstwelt zu knüpfen und lebenslange Freundschaften zu schließen.

Pablo Picasso's Lieblingstaverne von außen.

Das Quatre Gats befindet sich in der Casa Martí, einer der ersten Aufträge des modernistischen Architekten Josep Puig i Cadafalch.

1903 mußte das Els Quatre Gats wegen der sich antürmenden Schulden schließen (die meisten Künstler sind ja bekanntlicherweise Hungerleider). Zeitweilig war eine Kunstgalerie daran untergebracht, bis es schließlich in seiner heutigen Reinkarnation als Restaurant wiedereröffnet wurde.

Die Kellner sind es übrigens gewohnt, dass neugierige Museumsbesucher (und aufmerksame Blog-Leser) hereinspazieren, um Fotos von dem Lokal zu schießen, wo sich einst die Kunstelite von Barcelona traf. Wer will, darf natürlich gerne bleiben, um eine Kleinigkeit zu essen.

Von Barcelona nach Paris

Nachdem er eine zeitlang zwischen Paris und Barcelona hin und herpendelte, zog Pablo Picasso 1904 schließlich ganz nach Paris, um seine internationale Karriere anzustoßen. Auch nach seinem Umzug kam er regelmäßig nach Barcelona, um seine Familie zu besuchen. Seinen letzten Besuch stattete er Barcelona 1934 ab, einige Jahre später begann die Franco Diktatur, während der Picasso sich weigerte, nach Spanien zurückzukehren.

Das berühmteste Gemälde Picassos wurde von seiner Zeit in Barcelona inspiriert

Barcelona diente dem pubertären Picasso nicht nur als Schule, sondern auch als Bühne zahlreicher Parties. Auch Bordellbesuchen war er nicht abgeneigt und der junge Künstler verbrachte unter anderem Zeit in einem Freudenhaus in der Carrer d'Avinyó 44, im gotischen Viertel.

Das Werk, das die Kunstwelt revolutionieren sollte, war den Señoritas del Carrer d'Avinyó gewidmet, einigen der Damen von Barcelona, die ihm seine Jugend versüßten.

Ursprünglich wollte Picasso sein Werk Le Bordel d'Avignon nennen, aber um Zensur zu entgehen, nannte er es schließlich Les demoiselles d'Avignon. Der französische Titel und die Tatsache, dass das Gemälde in Paris entstand, führte später zu Verwirrung und es wurde angenommen, dass die Damen der gleichnamigen Stadt in Frankreich entstammten.

Anfangs war es aber auch völlig egal, wie das Gemälde hieß, denn die erste Reaktion war allesamt negativ, und das Werk galt als unmoralisch und menschenverachtend. Wozu die ganze Aufregung, fragt man sich heute, wenn man sich die flachen und geometrischen Formen ansieht die nicht sonderlich ins Detail gehen und alles andere als sexy wirken.

Heute gilt Les demoiselles d'Avignon als das erste Werk des Kubismus, es heißt, dass sich Picasso, außer an seinen Bordellbesuchen, an afrikanischen Masken nach einem Besuch in einem Völkerkundemuseum inspirierte.

Wer das Gemälde sehen will, muss allerdings bis nach New York reisen, wo das Werk im MoMA ausgestellt ist.

Das Picasso Museum

Gründung des Picasso Museum

Die Idee zur Gründung eines Museums, das ganz der Kunst Pablo Picassos gewidmet ist, stammte von seinem Sekretär und langjährigem Freund Jaume Sabartés. Mit Einverständnis des Künstlers, trug er der Stadt Barcelona seinen Plan vor und legte mit Werken aus seiner persönlichen Sammlung den Grundstein für die Ausstellung.

Das Museum öffnete 1963 unter dem Namen Kollektion Sabartés, da der antifranquistische Picasso während der anhaltenden Franco Diktatur als Persona non grata galt.

Über die Jahre wurde die Sammlung bereichert, unter anderem mit Spenden des Künstlers selbst und 1996 schenkte Picasso der Stadt Barcelona seine umfangreiche Studie der Las Meninas, die heute einen großen Teil der Ausstellung beansprucht. Auch eine umfangreiche Sammlung von Werken verschiedener Stile und Techniken, die er der Stadt vermachte, ziert heute das Picasso Museum.

Das Picasso Museum in Barcelona ist das einige Museum, das zu Picassos Lebzeiten und auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin entstand, nachdem seine Heimatstadt Málaga seinen Plänen dort ein Museum zu gründen negativ gegenüber stand (was sie heute bestimmt zutiefst bereuen).

Lage des Picasso Museums

Das Picasso Museum befindet sich in der Carrer Montcada, eine Gasse in der Altstadt, wo im Mittelalter das Großbürgertum von Barcelona seine Wohnpaläste hatte, bevor alle in den neuen Stadtteil Eixample abwanderten. Die Ansiedlung des Picasso Museum im El Born war eine von vielen Maßnahmen, um den Verfall des historischen Viertels zu stoppen.

Bei seiner Eröffnung 1963 wurde das Picasso Museum im gotischen Palast Berenguer de Aguilar angesiedelt, heute erstreckt es sich nach zahlreichen Erweiterungen über insgesamt 5 Paläste.

Eine Zeichnung der 5 Paläste, die das Museum beherbergen.

Das Picasso Museum beherbergt insgesamt 5000 Stücke und hat die kompletteste Sammlung der frühen Werke Picassos, was es zu einer einzigartigen Referenz macht, um die Entwicklung des Künstlers zu studieren.

Die Ausstellungsräume

Die Ausstellung mit Picassos Werken erstreckt sich über mehrere kleinere Säle und ist nach der Epoche ihrer Entstehung geordnet. Naturgemäß befinden sich im Museum zum größten Teil Stücke, die Picasso während seiner Zeit in Barcelona anfertigte und die seine Entwicklung und Anwendung bestehender Techniken zeigen, bis er später seine eigene Ausdrucksform entwickelte.

Außer der stilistischen Entwicklung des Künstlers, erzählen viele Werke biografische Ereignisse aus seinem Leben.

  • 1890 - 1895 Málaga und La Coruña (Akademischer Stil, Ölgemälde)
  • 1895 - 1897 Lehrzeit (Zeichnungen und Ölgemälde im akademischen Stil)
  • 1898 - 1899 Zeit in Horta de Sant Joan bei Tarragona (Landschaften)
  • 1899 - 1900 Barcelona (Portraits und urbane Landschaften)
  • 1900 - 1901 erster Aufenthalt in Paris (Avantgarde)
  • 1901 - 1904 zwischen Barcelona und Paris (Die blaue Periode)
  • 1905 - 1906 Paris (Rosa Periode)
  • 1917 Rückkehr nach Barcelona (verschiedene Stile)
  • 1957 Cannes (Los Pichones)
  • 1957 Cannes (Studie der Las Meninas von Velázquez)
  • Keramikausstellung
Gemälde einer kranken Frau, am Bett sitzt ein Arzt der ihren Puls nimmt und zu ihrer linken steht eine Nonne mit einem Kind auf dem Arm.
Mit "Wissenschaft und Wohltätigkeit" erregte der junge Picasso das erste Mal nationales Aufsehen

Seine ersten großen Erfolge erzielte Picasso nach seinem Umzug nach Paris, weshalb es in den privaten Kollektionen katalanischer Kunstsammler kaum Werke der heute berühmten Werke gab. Hinzu kommt, dass den Katalanen der Kubismus als zu fremdartig erschien und sie somit die Chance verpassten, zur rechten Zeit ein bezahlbares Werk zu erhaschen. Nachdem Picasso Weltruhm erlangte, war es natürlich schon zu spät und große, zahlungskräftige Museen wie das MoMA in NYC gelangten in Besitz der Kunstwerke.

Picasso war der erste Künstler, der im Museum of Modern Art (MoMA) zu Lebzeiten ausgestellt wurde.

Las Meninas- Picassos Studie der Hoffräulein

Im letzten Saal im Picasso Museum findet sich einer der Höhepunkte der Exposition, die Studie Picassos der Las Meninas.

Um diese Kollektion gebürtig schätzen zu können, sollte man zuerst den Hintergrund kennen. Ich bin ja wie gesagt ein Kunstbanause und hatte noch nie von Las Meninas gehört.

Es handelt sich dabei um das bekannteste und in Künstlerkreisen vielinterpretierte Gemälde des spanischen Malers Diego Velázquez (von dem ich ebenfalls noch nie gehört hatte).

So wußte ich auf den ersten Blick nicht viel anzufangen, mit den seltsamen Gestalten, die wiederholt auf diesen Ausstellungsstücken zu sehen sind und stand davor wie der Ochs vor Berg.

Einige Gemälde der Studie der Las Meninas von Pablo Picasso.

Zum Glück hängt im Raum eine große Tafel, wo man sich, wie in allen Räumen übrigens, auf Katalanisch, Spanisch und Englisch über die Einzelheiten der dargestellten Kunst informieren kann. Und wer den Audioführer gewählt hat, ist klar im Vorteil (ich bin dafür zu ungeduldig und lese lieber).

Wenn man sich dann das Originalwerk ansieht, das Objekt der Studie war, fallen wie in einem Puzzle schließlich alle Teile zusammen und man erkennt mit etwas Phantasie die Figuren in den Interpretationen Picassos schnell wieder (der Hund hilf ungemein).

Ziel seiner Studie war das Experimentieren mit Position, Perspektive und Licht, die er nach Gutdünken änderte, um verschiedene Ergebnisse zu erzielen.

Das Gemälde "Die Hoffräulein" von Diego Velázquez.
Eine Studie des Gemäldes "Die Hoffräulein" von Picasso.

Seine Variante der Meninas schuf Picasso zwischen August und Dezember 1957 und die 58 (!) Gemälde waren unter den Werken, die der Künstler 1968 der Stadt Barcelona schenkte.

Zwischendurch fand der Workaholic übrigens noch die Zeit, um in einer Woche Los Pichones auf die Leinwand zu zaubern, 9 Ölgemälde inspiriert von dem Blick von seinem Atelierfenster auf einen Taubenschlag und der malerischen Bucht von Cannes. Die Sammlung der Tauben kann in einem der vorhergehenden Säle bewundert werden.

Lohnt sich ein Besuch im Picasso Museum?

Für jeden Picasso und Kunst Fan ist der Besuch natürlich ein Muss, dem ich hier bestimmt nichts neues erzählt habe. Aber was ist mit Kunstbanausen, so wie ich es bin?

Die Sammlung des Picasso Museum besteht hauptsächlich aus Werken seiner Lehr- und Experimentierzeit, in denen man seine Entwicklung vom Einfluß des gutbürgerlichen Vaters und der traditionellen Kunstakademie, zum eigendenkenden Künstler verfolgen kann. Es fehlen die für Picasso "typischen" und bekannten Werke des Künstlers, die er allesamt nach seiner Zeit in Barcelona malte.

Wer hätte gedacht, dass Picasso auch naturgetreu malen konnte, und dann noch so realistisch, dass die Personen förmlich aus dem Gemälde zu springen scheinen? Ok, wahrscheinlich jeder, der auch nur ein bisschen Ahnung von Kunst hat..

Aber die Kollektion ist abwechslungsreich genug, um nicht das Interesse zu verlieren und es gibt genügend Material aus späteren Zeiten, die einen Einblick in den kompletten Genie des Künstlers geben.

Alles in allem fand ich das Picasso Museum viel interessanter als erwartet und kann ohne zu lügen sagen, dass ich die Kreativität Picassos nun wirklich zu schätzen weiß. Geschweige denn seine Produktivität, in der Zeit in der ich diesen Artikel geschrieben habe, hätte Picasso 20 Gemälde auf die Leinwand gezaubert.

Nicht nur das, nach meinem Besuch im Picasso Museum und meinen Nachforschungen für diesen Post, habe ich Lust auf mehr Kunst bekommen und bereits meinen nächsten Museums-Besuch geplant: In der selben Straße wie das Picasso Museum liegt unter anderem das *MOCA Museum, eine Ausstellung moderner und zeitgenössischer Kunst.

Picassos Graffiti

Picassos größtes Werk (zumindest was die Dimension betrifft) befindet sich nicht im Museum, sondern mitten im Zentrum von Barcelona und ist auf einer riesigen Leinwand aus Beton für alle Welt gratis zu bestaunen. Ironischerweise laufen die meisten daran vorbei, ohne es überhaupt zu bemerken.

Auf der Plaça Nova vor der Kathedrale schmückt Picassos Graffiti, wie er es selbst nannte, die Fassade des Hauptsitz des Colegi d'Arquitectes de Catalunya (COAC).

Dabei meiselte der Künstler sein Relief nicht selbst in die Fassade, von ihm stammen aber die Zeichnungen, die Vorlage für das Projekt war. Der norwegische Bildhauer und Grafiker Carl Nesjar brachte die Zeichnung, nachdem sie zigmal vergrößert wurde, schließlich mit einem Hockdruck-Sandstrahler auf die Betonplatten.

Picasso wählte für diesen Anlass festliche bzw. religiöse Motive, inspiriert von seinen Erinnerungen an die Straßenfeste seiner Jugendzeit in Barcelona. Die Hauptfassade, wo die beiden Nebenfassaden zusammenlaufen, stellt die Festlichkeiten der Fronleichnamsprozession und des Palmsonntag dar. In der Mitte sind die Gegants zu erkennen, riesige Figuren, die in Barcelona bei Festlichkeiten die Prozessionen begleiten.

Riesiges, Strichmännchen-hafte Gravur auf einer Betonwand im Zentrum von Barcelona.

Ich habe 4 Jahre gebraucht, um wie Raffael zu malen. Aber ein Leben lang, um wie ein Kind zu malen.

Pablo Picasso

Zur Gestaltung der Wandgemälde im Inneren des Gebäudes erwägte man, den katalanischen Maler Joan Miró zu kontaktieren, aber als er das hörte, bot Picasso eilig (und etwas beleidigt) auch hierfür seine Dienste an.

Essen und trinken in der Nähe des Picasso Museums

Im Anschluß an meinen Museumsbesuch war ich um die Ecke in der urgemütlichen Bodega La Puntual noch ein paar Tapas essen und ein Bier trinken. Auch die Kult-Tapasbar El Xampanyet ist absolut zu empfehlen, aber meist sehr voll, wer da keinen Platz findet, kann sein Glück etwas weiter in der baskischen Taverne Euskal Etxea probieren, die hauptsächlich Pinxtos anbietet und auch eine kleine Terrasse hat. Alles über Pinxtos und andere Tapas könnt ihr in meinem Tapas-Guide nachlesen.

Wenn euch eher nach Kaffee und Kuchen ist, probiert das Café Bobé, auch die Fruchtsäfte sind sehr empfehlen.

Wie immer freue ich mich über Kommentare und Erfahrungsberichte!

Geschrieben von Alex

Als ich vor 15 Jahren das erste Mal nach Barcelona kam, habe ich mich sofort in diese wunderschöne Stadt verliebt, also bin ich direkt hiergeblieben und mittlerweile ist Barcelona zu meiner Heimat geworden. In diesem Blog will ich euch "meine" Stadt vorstellen und euch zeigen, was Barcelona so besonders macht.

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