Palau Güell - Gaudi's Wohnpalast in Barcelona

Zuletzt aktualisiert: 23/01/2024
Alex

Das wohlhabende Stadtbürgertum von Barcelona prägte zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert das Stadtbild mit ihren prachtvollen Herrenhäusern.

Einer dieser Prachtbauten ist der Palau Güell, ein städtischer Luxuspalast im Herzen von Barcelona und lange Zeit das Zuhause des Industriellen Eusebi Güell, bevor er in seinen mittlerweile berühmten Park zog.

Der Palau Güell was das erste große Bauprojekt, an dem Güell und Antoni Gaudí zusammengearbeitet haben und der Beginn einer produktiven Freundschaft.

Wie immer hinterlasse ich euch *Links, über die ihr die in diesem Post erwähnten Aktivitäten und Hotels buchen könnt. Für jede erfolgreiche Buchung erhalte ich eine kleine Kommission, für euch ändert sich der Preis dadurch nicht.

C/ de Nou de la Rambla, 08001 Barcelona

Liceu L3 

Bus Turístic: Colom - Museo Marítim 

Rabatt mit der Barcelona City Card

Öffnungszeiten des Palau Güell

Frühling/Sommer (1.April - 30 September):
10:00 - 20:00 Uhr
Herbst/Winter (1. Oktober - 31 März):
10:00 - 17:30 Uhr

Die Ticketschalter schließen eine Stunde vorher.

Geschlossen:

Montags (außer an Feiertagen)
25 + 26.12.
1. + 6.1.

Tickets für den Palau Güell

In den Ticketpreisen ist ein Audioführer, der auf 13 Sprachen verfügbar ist, beinhaltet.

Standard12 €
Reduziert (Senioren ab 65 Jahren + Studenten)9 €
Mini (Kinder + Jugendliche zwischen 10-17 J.)5 €
Kinder unter 10 J. in Begleitung eines Erwachsenen mit TicketGratis

Freier Eintritt: Jeden ersten Sonntag im Monat.
Tag der offenen Türen: 12. Februar, 23. April, Museumsnacht (Datum weicht ab), 24. Mai, 11. September, 24. September. Tickets können, bzw. müssen, Online eine Woche vorher über die offizielle Webseite des Palau Güell bestellt werden, solange der Vorrat reicht.

Auch bei einem normalen, kostenpflichtigen Besuch, kann man sich sein Ticket natürlich schon vorab Online sichern.


Die Geschichte des Palau Güell

Obwohl die Güell's eine der reichsten und einflußreichsten Familien jener Zeit war, sind nur wenige Einzelheiten über ihr Leben im Palau Güell bekannt. Hinzu kommt, dass die Baupläne des Palau Güell während des Zivilkriegs bei einem Brand in Gaudí's Studio verloren gingen. Die wenige Info, die uns heute über den Palau Güell und seine Bewohner vorliegt, wurde aus Presseausschnitten von jener Epoche zusammengestückelt.

Das erste große Bauprojekt von Güell und Gaudí

Jeder Barcelona-Reisende kennt (hoffentlich) den Park Güell, eines der berühmtesten Werke Gaudi's. Die wenigsten wissen aber, dass Eusebi Güell und Antoni Gaudí schon vor Entstehung des phantasievollen Parks an mehreren Projekten zusammengearbeitet haben. Die beiden Männer waren gute Freunde und zum Schluß sogar Nachbarn im Park Güell; die einzigen Bewohner der geplanten Gartenstadt.

Eine Büste von Eusebi Güell überblickt den Eingang zum zentralen Saal.
Das edle Haupt Güell's überblickt den zentralen Salon, früher stand hier eine Büste seines Vaters

Güell beauftragte Gaudí 1888 mit dem Bau des Palau Güell, der als Residenz für seine zahlreiche Familie dienen und außerdem noch genug Raum für soziale Veranstaltungen bieten sollte. Güell war ein einflussreicher Industrieller und Politiker mit ausgeprägtem Sozialleben, sowie Vater von 10 Kindern, kein leichtes Unterfangen also für Antoni Gaudí.

Der Bau des Palau Güell

Während Güell's Zeitgenossen wie Milà und Batlló ihre Herrenhäuser im gutbürgerlichen und weitläufigen Modestadtteil Eixample errichten ließen, wählte Güell das Raval als Sitz seines neuen Heims. Ein Stadtteil mit einer kulturell reichen Vergangenheit, das seine Glanzzeit aber schon hinter sich hatte und auch damals schon etwas verrucht war.

Güell besaß ein geerbtes Familienanwesen auf der berühmten Rambla von Barcelona und als praktischer und vorausschauender Mann, hatte er bereits ein Haus in unmittelbarer Nähe, im angrenzenden Stadtteil Raval, gekauft. Drei Jahre später ließ er dieses Haus abreisen, um Platz für seinen Wohnpalast zu schaffen.

Die Grundstücke in der damals überbevölkerten Altstadt waren nicht sehr groß und Güell ergatterte nach Baubeginn noch zwei weitere Häuser, die an das Grundstück angrenzten und die er ebenfalls abreißen liess. Selbst das erwies sich noch als recht eng für sein ehrgeiziges Bauprojekt.

Aber Gaudí meisterte die Herausforderung und errichtete auf relativ kleiner Fläche einen prächtigen Wohnpalast, der den Reichtum und sozialen Status Güell's zum Ausdruck brachte.

Der Bau des Palau Güell dauerte von 1886 bis 1890, die Fertigstellung der dekorativen Elemente und der Inneneinrichtung wurde erst 1895 beendet.

Das Familienanwesen auf der Rambla wurde übrigens durch einen Korridor mit dem Palau Güell verbunden.

Der Palau Güell seit seiner Entstehung bis heute

Knapp 20 Jahre lebte Güell in seinem Wohnpalast. Nach gewalttätigen Aufruhren im Zentrum von Barcelona zog es ihn in den ruhigeren Norden, wo er bis zu seinem Tod 1918 eine der zwei Villen in seinem berühmten Stadtpark bewohnte, mit Gaudí als einzigem Nachbarn.

Nach Güells Tod ging der Palau in den Besitz seiner Gattin und seiner Kinder über. Mit Ausbruch des Bürgerkriegs 1936 wurde der Palau Güell beschlagnahmt und als Polizeistation mit Gewahrsamszellen missbraucht.

1945 übertrug Güell's Tochter den Palast an die Diputation von Barcelona, unter der Voraussetzung, dass das Gebäude unverändert erhalten bleibt und rein kulturellen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Zwecken zur Verfügung gestellt wird. Zum Glück, denn beinahe endete das Gebäude im Besitz eines amerikanischen Millionärs, der den Palau Güell Stein für Stein abtragen und in den USA neu aufstellen lassen wollte. Ein Barcelona Souvenir der ganz besonderen Art.

Die Diputation von Barcelona hielt sich an ihr Wort und im Laufe der Jahrzehnte beherbergte der Palau Güell unter anderem das Theatermuseum und ein Filmmuseum.

Zweifellos inspiriert vom Erfolg anderer Gaudí Werke, die wahre Touristenmagnete sind, wurde der Palau Güell nach einer grundlegenden Restaurierung größtenteils in seinen Originalzustand zurückversetzt und 2011 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht

Der Palau Güell wurde 1984 zum UNESCO Welterbe erklärt, zusammen mit 6 (!) anderen Bauwerken von Gaudí.

Architektur des Palau Güell

Der Palau Güell war einer der ersten großen Aufträge, den Antoni Gaudí erhielt, der Architekt hatte seinen eigenen Stil noch nicht gefunden und experimentierte mit verschiedenen Baustilen.

Obwohl der Palau Güell gerne als ein Werk des katalanischen Jugendstils (Modernisme) beschrieben wird, inspirierte sich Gaudí beim Bau des Palau Güell vor allem an der mittelalterlichen Mudéjar Kunst. Wie bereits in der Casa Vicens arbeitete der Architekt im Palau Güell viel mit dekorierten Keramikfliesen, Kassettendecken, parabolischen Bögen und Kuppeln.

Im Palau Güell wendete Gaudí das erste Mal seine mittlerweile berühmte Trencadís Technik an, ein Mosaik aus Keramik und Glasscherben.

Beim Bau des Palau Güell wurde hauptsächlich eine Mischung aus Marmor und Kalkstein aus dem familieneigenem Steinbruch in Garaff verwendet, sowie eine Vielzahl von verschiedenen Holzarten, wie Eukalyptus, Eiche, afrikanisches Teakholz, Ebenholz und Palisander.

Bereits beim Bau des Palau Güell bewies Gaudí seine Vorstellungskraft und sein Talent, innovative, fast schon radikale Lösungen zu finden und anzuwenden.

Die Aussenfassade des Palau Güell

In einer ärmlichen Gegend, inmitten von Cabarets und Bordellen, erhob sich der Palau Güell wie eine Festung, die ihre Bewohner in tröstlichen Luxus hüllte und von der Außenwelt isolierte. Die dreistöckige Fassade wird von Sandstein und Eisen dominiert und wurde bewusst zierlos und karg, beinahe einschüchternd, gestaltet.

Die phantasievollen Schornsteine auf dem Dach, eine Vorahnung auf Gaudi's naturalistischer Phase, bleiben Vorbeigehenden leider weitgehend verborgen.

Die Fassade aus Kalkstein und Schmiedeeisen des Palau Güell.
Die Fassade aus Kalkstein und mit Schmiedeeisen verzierte Fensterfront

Die Güells und ihre Gäste gelangten mitsamt ihren Pferdekutschen durch einen der beiden Kettenbögen direkt ins Innere der Festung. Das andere Tor diente als Ausgang, so dass sich ankommende und ausgehende Gäste nicht in die Quere kamen. Wer genau hinblickt, erkennt die Initialen Eusebi Güell's zwischen den Schnörkeln der schmiedeeisernen Gitter.

Die Gitter dienten nicht nur dazu unwillkommene Gäste abzuhalten, sondern auch unwillkommene Blicke - sie erlauben den Blick von innen nach außen, aber nicht umgekehrt. Zwischen den Toren ruht ein Phoenix mit ausgebreiteten Flügeln auf dem Schild von Katalonien, ein Ausdruck Güell's politischer Einstellung.

Angemessen unauffällig ist der Eingang für das Personal auf der rechten Seite des Gebäudes.

Der Palau Güell von innen

Wer beim Anblick der schmucklosen Fassade des Palau Güell enttäuscht blieb, wird im Inneren mit der Extravaganz entschädigt, die man von einem Palast erwartet.

Edle Materialien wie Marmor in verschiedenen Farben (aus dem familieneigenen Steinbruch in Garraf), Alabaster und kostbare Holzsorten verziert mit reich verzierten Holzschnitzerei dominieren das Innere des Palau Güell. Auch wenn der pompöse Stil Geschmacksache ist, erfüllte er zu seiner Zeit zweifelsfrei seinen Zweck, nämlich Gäste zu beeindrucken und den Stellenwert der Familie zum Ausdruck zu bringen.

Auf insgesamt 8 Stockwerken und Zwischenstockwerken liegen reich verzierte Säle und Räume mit so klangvollen Namen wie "Der Saal der verlorenen Schritte" und der "Raum der Vertraulichkeit" (auf Spanisch klingt das ganze natürlich noch besser).

Der Fokus der Besichtigung des Palau Güell liegt auf der Architektur und es wurde bewußt entschieden, die erhaltenen Originalmöbel separat in einigen wenigen Räumen des Palasts auszustellen.

Der untere Teil des Palau Güell - Erdgeschoss, Untergeschoss und Zwischenparterre

Empfangsbereich und Garage

Von der Straße führen zwei Portale ins innere das Palau Güell, von denen auch heute eine als Eingang und die andere als Ausgang genutzt wird. Die Portale, die in der Mitte einen Einlass für Personen haben, konnten in ihrer gesamten Breite geöffnet werden, um Pferde und Kutschen aufzunehmen.

Die Eingangshalle diente hauptsächlich als Empfangsraum und Drehkreuz für die ankommenden und ausfahrenden Kutschen, Güell war ja wie bereits erwähnt ein sehr einflussreicher und sozialer Zeitgenosse.

Im hinteren Bereich, wo sich aktuell die Schließfächer befinden, außerhalb der Sichtweite der illustren Gäste, lag der Bereich des Pförtners, sowie Lager- und Diensträume. Selbst an eine Garage für die Kutschen der Gäste wurde gedacht, damit diese nicht die enge Straße versperrten.

Von der Eingangshalle führen zwei Rampen ins Untergeschoß und den ehemaligen Pferdeställe, wo die Tour beginnt.

Die Pferdeställe

Im Gewölbekeller, der von dicken, runden Backsteinsäulen gestützt wird, befanden sich die individuell abgetrennten Pferdeställe. Über eine breite Rampe wurden die Pferde bei Bedarf ins Erdgeschoß geführt, die spiralförmige Rampe wurde von Personen genutzt.

Runde Säulen aus Backstein stützen den Gewölbekeller des Palau Güell, in dem früher die Pferdeställe lagen.

Das offene Patio, zu dem die Pferde Zugang hatten, diente als Licht- und Luftzufuhr. In einer Zisterne wurde Regenwasser gesammelt, ein System das Gaudí später im Park Güell perfektionierte.

Güell's Geschäftsräume

Aus der Eingangshalle führt eine Treppe aus Marmor in die Zwischenparterre. Diese Etage war dem politischen und geschäftlichem Leben gewidmet und Besucher gelangten direkt in Güell's Homeoffice, ohne die privaten Wohnräume durchqueren zu müssen. Außerdem waren hier die private Bibliothek und die Archive untergebracht.

Eine Fortsetzung der Treppe führt in die Planta Noble, der Haupt-Etage des Palau Güell.

Der Hauptbereich des Palau Güell

Der Hauptbereich eines jeden, gutbürgerlichen Hauses in Barcelona wird auch als Planta Noble, die "edle Etage", bezeichnet. Im Palau Güell ist diese Etage besonders edel und gesamte 3 Stockwerke hoch, die in einen gesellschaftlichen und privaten Bereich gegliedert sind.

Da Gaudí ja wie bereits gesagt auf begrenztem Raum arbeiten musste, baute er den Hauptbereich kurzerhand in die Höhe, statt in die Breite. Alle Räume, Säle und Gänge sind um einen vertikalen, zentralen Saal angelegt, der das Rückgrat der Plante Noble bildet.

Der Zentrale Saal

Jeder Palast, der etwas auf sich hält, braucht einen Festsaal, um die illustren Gäste zu empfangen, zu beeindrucken und zu unterhalten.

Der zentrale Saal des Palau Güell erhebt sich vertikal über 3 Stockwerke, gekrönt wird er von einer großen Kuppel, die perforiert ist, um Lichteinfall zu ermöglichen.

Reich verzierte Balustrade im Palau Güell, mit Blick auf den zentralen Festsaal und die ehemalige Kapelle

Im unteren Teil des zentralen Saals versammelten sich die Gäste zu Konzerten und kulturellen Veranstaltungen. Das Orchester wurde auf dem Zwischenstockwerk platziert und im oberen Bereich dröhnten die Orgelpfeifen (die Klaviatur befand sich im unteren Teil). Diese geniale Raumaufteilung schuf außer Platz obendrein noch eine perfekte Klangakustik.

Auch Gottesdienste wurden im zentralen Saal abgehalten, der Altar lag hinter den zwei reich verzierten Türen, die nach Bedarf geöffnet und geschloßen werden konnten. Die Heiligenstatue, an die nur noch ein Bild erinnert, ging verloren.

Alle Räume und Gänge auf dieser Etage dienten hauptsächlich dazu, Besucher zu beeindrucken und mit der sozialen Stellung der Familie anzugeben, weshalb dieser Teil des Palau Güell besonders luxuriös dekoriert ist.

Es wurde an alles gedacht, was Mann und Frau begehrten, zum Beispiel ein Raucher- bzw. Gesellschaftszimmer für die Herren und ein Puderraum für die Damen.

Reich verzierte Decke und Fensterfront mit gotischen Bögen.
Die Fensterfronten und die Decken des Palau Güell sind besonders beindruckend gestaltet

Auch das Esszimmer der Familie Güell und ein Billardraum befinden sich auf diesem Stockwerk. Das Esszimmer ist der einzige Raum im Palau Güell, in dem noch die Originalmöbel der Familie bewundert werden können. Entweder aber war dieser Raum bei meinem Besuch geschlossen, oder ich habe ihn komplett übersehen (typisch).

Der Wohnbereich

Im oberen Teil der Planta Noble lag der private Wohnbereich der Familie Güell. Die Zimmer auf dieser Etage sind um eine Galerie mit Fenstern angeordnet, die auf den zentralen Saal blicken. Die Räume hier sind etwas schlichter dekoriert als im öffentlichen Bereich und es wurde hauptsächlich mit hellem Teakholz gearbeitet.

Der erste Raum, den man auf dieser Etage betritt, war das gemeinsame Wohnzimmer, das wie in jedem Heim Treffpunkt für familiäre Aktivitäten war. Bei den vielen Zimmern im Palau Güell lief man sich sonst wahrscheinlich nicht so oft über den Weg.

Die getrennten Schlafzimmer des Ehepaars zeigten zum ruhigen Hinterhof und sind durch einen Durchgang miteinander verbunden.

Bei so vielen Räumen im Palau Güell sollte man meinen, dass jedes der 10 Kinder der Familie ein eigenes Schlafzimmer hatte. Aber da ein großer Teil des Palast für soziale Events draufging und sich vor allem die älteren Kinder nicht immer gleichzeitig im Haus aufhielten, wurde hier an Raum gespart.

Gaudí entschied sich, statt separaten Zimmern einige größere Gemeinschaftsschlafzimmer zu bauen, in die sich die Kinder quetschten. Nur die ältesten Tochter besaß ihr privates Schlafzimmer, dass der angehenden Künstlerin auch als Studio diente.

Der "Blaue Saal", der heute den Charme eines Warteraums einer Zahnarztpraxis besitzt, diente vermutlich als eine Art Zimmer für alles - als Schlafzimmer für die jüngeren Kinder, sowie als Wäsche- und Bügelraum.

Einer der schönsten Räume auf dieser Etage ist die Toilette, mit mosaikbesetzten Wänden und einem edel bemaltem Thron, wie es sich für einen Palast eben gehört.

Reich verzierte Kloschüssel im Badezimmer.

Die Kamine

Auch wenn die Winter in Barcelona relativ mild und kurz sind, kann es in so einem großen Haus schnell ungemütlich werden und in allen Zimmern, einschließlich der Badezimmer, befinden sich Kamine, die ihren Rauch über die zahlreichen Schornsteine auf dem Dach abgaben.

Die Möbel

In den Schlafzimmern der Kinder sind heute die wenigen erhaltenen Originalmöbel der Familie Güell ausgestellt. Einige der Möbel wurden von Gaudí entworfen, andere stammen vermutlich aus den Familienanwesen der Güell's auf der Rambla und dem gotischen Viertel (Palau Fonollar).

Auch Möbel aus der Zeit danach, als der Palau Güell verschiedenen Zwecken diente, sind hier ausgestellt. Das Prachtstück der Sammlung ist ein von Gaudí für Isabel Güell entworfener Divan, der früher im Schlafzimmer der Señora stand.

Fotos helfen den Besuchern dabei, sich die Möbel an ihren Originalstandorten in den verschiedenen Wohnräumen vorzustellen.

Der Dachboden

Das Dachgeschoß war früher das Reich des Dienstpersonals. Neben einer Küche und dem Wäscheraum, lagen hier auch mehrere abgetrennte Unterkünfte für die Bediensteten.

Heute besteht das Dachgeschoss aus einer einzigen, offenen Galerie und beherbergt verschiedene, temporäre Ausstellungen (zum Zeitpunkt meines Besuchs eine Ausstellung über Trencadís).

Die Dachterasse

Einer der Höhepunkte des Besuchs im Palau Güell ist, im wahrsten Sinne des Wortes, die Dachterrasse. Es scheint, als konnte Güell hier seiner Kreativität, für die er so bekannt ist, endlich freien Lauf lassen.

Insgesamt erhaben sich auf dem Dach zwanzig Schornsteine und Rauchabzüge für die zahlreichen Kamine, die der aufmerksame Besucher beim Rundgang durch den Palau Güell bereits erspähen konnte. Gaudí besetzte die Schornsteine mit bunten Keramik- und Glasscherben und verwandelte sie so in phantasievolle Kunstwerke.

In der Mitte der Dachterrasse ragt eine 15 Meter hohe Turmspitze empor, die die Kuppel der zentralen Halle bedeckt. Geziert wird der Turm von einem Drachen, der ein wiederkehrendes Symbol in Gaudí's Werken ist.

Ganz beiläufig hat man noch einen schönen Blick auf einige der emblematischen Wahrzeichen von Barcelona. Und natürlich auf die (weniger schönen) Hinterhöfe und Dachterrassen der leidenden Nachbarn.

Die Schornsteine auf der Dachterrasse des Palau Güell.

Nach dem pompösen, aber dunklen und teilweise sogar düster anmutendem Inneren des Palau Güell, das vermutlich dem Geschmack seines Auftraggebers entsprach, ist das Dach ein gelungener Abschluss der Besichtigung.

Lohnt sich ein Besuch im Palau Güell?

Der Palau Güell ist eine Inspiration für Architekturfreunde und Gaudí Fans.

Jeder Besuch in einem von Gaudí entworfenen Gebäude gewährt Einblick in das Genie des größten Architekten, den Barcelona hervorgebracht hat und als eines seiner früheren Werke war der Palau Güell eine wichtige Stufe seiner Entwicklung.

Was mich beim Besuch des Palau Güell besonders beeindruckt hat war nicht die pompöse Inneneinrichtung, sondern wie Gaudí es verstand, Raum optimal zu nutzen. Man sieht den großen Mann förmlich über den Bauplänen sitzen und grübeln.

Auch wer einen Einblick in das Leben der bürgerlichen Oberschicht von Barcelona zu jener Zeit sucht, für den lohnt sich ein Besuch. Denn Eusebi Güell war einer der einflussreichsten Personalitäten, die Barcelona hervorgebracht hat und sein Wohnpalast, der seinen Stellenwert verkörperte, sagt viel über das Denken der damaligen Gesellschaft aus.

Wer hingegen einen Palast im wahrsten Sinne des Wortes erwartet, wird beim Besuch des Palau Güell enttäuscht werden, das Gebäude war zu seiner Zeit bestimmt eines der prachtvollsten Heime in Barcelona, aber wirkt enger und dunkler als erwartet. Mir persönlich fehlten die Möbel, denn so wirkte ein Raum ein bisschen wie der andere und ohne Audioführer wüßte man nicht, wo man sich gerade befindet.

Entscheidet ihr euch für einen Besuch des Palau Güell, würde ich mich freuen, wenn ihr eure Tickets über den folgenden Link kauft. Wenn euch der Palau Güell nicht überzeugt, findet ihr im Anschluss weitere Bauwerke von Gaudí.

Weitere Bauwerke von Gaudí

Wen der orientalische Stil des Palau Güell anspricht, findet diesen noch ausgeprägter in der Casa Vicens, das auch als Gaudí's erstes Haus bezeichnet wird.

Die Torre Bellesguard vereint den mittelalterlichen mit dem modernistischen Baustil, einziger Nachteil ist, dass die Burg nicht direkt im Zentrum von Barcelona liegt.

Ausgereifter als der Palau Güell und im typischen, naturalistischen Gaudí-Stil sind seine berühmtesten Häuser Casa Milà und Casa Batlló. Beide sollte man zumindest von außen gesehen haben.

Natürlich kann man nicht nach Barcelona reisen, ohne die Sagrada Familia besichtigt zu haben. Die Basilika war das Lebenswerk des großen Architekten, auch wenn es bis heute noch unvollendet ist.

Und natürlich ist da noch das bekannteste Bauprojekt von Güell und Gaudí, der Park Güell.

Geschrieben von Alex

Als ich vor 15 Jahren das erste Mal nach Barcelona kam, habe ich mich sofort in diese wunderschöne Stadt verliebt, also bin ich direkt hiergeblieben und mittlerweile ist Barcelona zu meiner Heimat geworden. In diesem Blog will ich euch "meine" Stadt vorstellen und euch zeigen, was Barcelona so besonders macht.

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