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Casa Milà - Gaudís Steinbruch

Zuletzt aktualisiert: 11/03/2026
Alex

Die Casa Milà von Antoni Gaudí wird aufgrund ihrer ausladenden Steinfassade auch liebevoll La Pedrera genannt.

Ursprünglich war dies allerdings abwertend gemeint, denn die Einwohner Barcelonas waren der Meinung, dass die Casa Milà einem "Steinbruch" ähnelte und nicht in das gutbürgerliche Stadtbild passte - schon gar nicht in eine so exklusive Wohngegend wie den Passeig de Gràcia.

Heute sind die Barceloner jedenfalls stolz auf ihre Pedrera, wie überhaupt auf alles, was Gaudí geschaffen hat.

Die Dachterrasse der Casa Milà und die gewellte Fassade der Casa Milà von außen betrachtet.

Am besten macht ihr euch selbst ein Bild der ungewöhnlichen Fassade, denn die Casa Milà liegt direkt im Zentrum von Barcelona und ist gut zu Fuß und mit der Metro zu erreichen.

Wenn ihr die Casa Milà von innen besichtigen möchtet, erhaltet ihr im Anschluss alle wichtigen Infos zu Öffnungszeiten und Ticketpreisen sowie viele praktische Tipps. In meinem Erfahrungsbericht verrate ich euch außerdem, was es in der Pedrera zu sehen gibt und ob sich ein Besuch lohnt.

Passeig de Gràcia 92, 08008 Barcelona

Passeig de Gràcia L1 L2 L3 L4 R2  

Hop On Hop Off Bus: Casa Batlló

Ticket Symbol. Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Wenn ihr eure Tickets über einen dieser Links bucht, erhalte ich eine kleine Provision, die mir hilft, diesen Blog aktuell zu halten. Für euch verändert sich der Preis dadurch nicht.

Schornsteine auf dem Dach der Casa Milà, die an römische Krieger erinnern.

Tickets für die Casa Milà

Die Ticketpreise für die Casa Milà beginnen bei 29 EUR für ein Standard-Ticket, mit dem man Zutritt in die Pedrera und einen Audioführer auf mehreren Sprachen erhält.

Die etwas teureren Tickets für spezielle geführte Touren, wie den Nachtbesuch oder den Besuch bei Sonnenaufgang, lohnen sich vor allem in der Hochsaison, da die Führungen auf kleine Gruppen beschränkt sind und man die Casa Milà fast für sich alleine hat.

Tickets können online oder am Schalter gekauft werden. Am Schalter fällt ein Zuschlag von 2 EUR an. Vor allem in der Hochsaison rate ich euch, die Tickets rechtzeitig zu kaufen. Über meine Affiliate-Links fallen keine zusätzlichen Gebühren an. Je nach Besuchszeit können die Tickets etwas teurer sein.

☀️ Standard-Ticket inklusive Audioführer (Casa Milà Essenziell)

Erwachsene: ab 29,00 €
Kinder + Jugendliche 12-17 Jahre: 12,50 €
Studenten: 19,00 €
Senioren über 65 Jahre: 19,00 €
Personen mit Behinderung: 20,00 € (bei Behinderung von mehr als 65% ist der Eintritt für die Begleitperson frei)
Kinder unter 12 Jahre: Gratis

Ticket Symbol. Über diesen Linke könnt ihr die Standard-Tickets kaufen

🌖 La Pedrera Night Experience (geführter Nachtbesuch)

Diese stimmungsvolle Nachttour führt durch die fast menschenleere Casa Milà. Vor allem die bizarre Landschaft auf der Dachterrasse erhält durch ausgeklügelte Beleuchtung ganz neue Dimensionen und zwischen den raunenden "Wächtern" fühlt man sich fast wie an einer uralten Ritualstätte anstatt mitten in Barcelona.

Ein kleiner Nachteil der Tour ist, dass sie nur auf Englisch oder Spanisch durchgeführt wird. Zudem vermisst man Gaudís cleveren Einsatz von Licht, was durch Videomapping und einem Glas Cava wettgemacht wird.

Erwachsene: 39,50 €
Jugendliche 12 - 17 Jahre: 19 €
Kinder unter 12 Jahre: Gratis

Mit Kindern zwischen 7 und 11 Jahren empfehle ich euch, über die offizielle Webseite zu buchen.

Ticket Symbol. Über diesen Link könnt ihr Tickets für den Nachtbesuch kaufen

🌅 La Pedrera bei Sonnenaufgang (Sunrise Experience)

Bei dieser geführten Tour auf Englisch erkundet man die noch geschlossene und stille Casa Milà. In kleiner Gruppe (manchmal nur 2-5 Personen) hat man Gelegenheit, sich die Pedrera in Ruhe anzusehen, bevor sie später von Menschenmassen überrannt wird.

Je nach Jahreszeit kann man den Sonnenaufgang von der fast menschenleeren Dachterrasse genießen und die wundervolle Aussicht auf Barcelona bestaunen.

Dieser Eintritt ist besonders im Sommer empfehlenswert, um den Menschenmassen und der knallenden Mittagssonne auf dem Dach zu entgehen.

Erwachsene: 39,50 €
Jugendliche 12 -17 Jahre: 19,50 €
Kinder unter 12 Jahre: Gratis

Für Kinder zwischen 7 und 11 Jahren empfehle ich, über die offizielle Webseite zu buchen.

Ticket Symbol. Über diesen Link könnt ihr die Tickets für das Sunrise Experience kaufen

Die Onlinetickets werden an die angegebene E-Mail Adresse geschickt und können in der Casa Milà direkt auf dem Handy vorgezeigt werden.

Casa Milà Öffnungszeiten

6. März - 1. November

Täglich:
9:00 - 20:30 Uhr

Nachtbesuche:
20:40 - 22:20 Uhr

2. November - März 2027

Täglich:
9:00 - 18:30 Uhr

Nachtbesuche:
19:00 - 23:00 Uhr

Weihnachten (26.12. - 04.01.):
Tagsüber: 09:00 - 20:30 Uhr
Nachbesuche: 21:00 - 23:00 Uhr

Neujahr (01.01.26):
11:00 - 20:30 Uhr

Geschlossen: 25.12.

Die Besichtigungsdauer beträgt c.a. 1 - 1,5 Stunden.
Die oberen Etagen machen 15 Minuten vor Schließung des Gebäudes dicht.

Das erwartet euch in der Casa Milà

  • Einzigartige Architektur im katalanischen Jugendstil
  • Zwei lichtdurchflutete Innenhöfe mit Wandmalereien
  • Im möblierten Epochen-Wohnraum wird man in das gutbürgerliche Barcelona jener Zeit zurückversetzt
  • Die wellenförmige Dachterrasse mit den "Weltraumrittern" bietet einen 360-Grad-Blick auf Barcelona und eine ganz spezielle Perspektive auf die Sagrada Familia
  • Unter 270 Kettenlinienbögen beherbergt das Dachgeschoss eine einzigartige Ausstellung über Gaudís Schaffen.

Warum man die Casa Milà besuchen sollte

Die Casa Milà war Gaudís letzter Profanbau, bevor er sich ganz der Sagrada Familia widmete. Wie kein anderes Werk zeugt das Gebäude von der professionellen Reife des Architekten.

Die Pedrera ist außerdem ein ausgezeichneter Ausgangspunkt, um alle anderen Werke Gaudís zu entdecken. Der Espai Gaudí auf dem Dachboden ist dem Architekten gewidmet und einzigartig in Barcelona. Hier erhält man wertvolle Einblicke in seine Arbeitsweise, Inspiration und Denkweise - ein Besuch ist daher ideal, bevor man die berühmteren Werke wie die Sagrada Familia und den Park Güell besichtigt.

Besichtigung der Casa Milà (Erfahrungsbericht)

🗓️ Letzter Besuch: November 2025 (spätnachmittags)
⏳Verbrachte Zeit: ca. 90 Minuten
🧍🏻Besucheranzahl: moderat
🕔 Beste Besuchszeit: Früh morgens oder am späten Nachmittag

Fotocollage von der Dachterrasse der Pedrera.

Wichtige Infos vorab

  • In der Casa Milà dürfen keine Fotos mit Tripod gemacht werden
  • Sperrige Rucksäcke können in Schließfächern zurückgelassen werden
  • Die Casa Milà ist größtenteils durch Rampen und Fahrstühle für Rollstuhlfahrer zugänglich
  • Die Audioführer sind für Hörgeschädigte mit Untertiteln auf Spanisch und Englisch verfügbar
  • Bei Regen oder starkem Wind wird die Dachterrasse geschlossen
  • Ticket Symbol.Tickets sollten rechtzeitig Online gebucht werden

Was ist in der Besichtigung beinhaltet?

Die Casa Milà ist riesig groß, allerdings erhält man mit dem Standard-Ticket nur Zugang zu den wichtigsten Bereichen, inklusive der folgenden Highlights:

  • Patio der Schmetterlinge
  • Typische bürgerliche Wohnung jener Epoche
  • Dachgeschoss mit Gaudí-Exposition
  • Dachterrasse mit Schornsteinen (Wächtern) und Blick über Barcelona
  • Patio der Blumen

Im Standardticket ist ein Audioführer mit Kopfhörern in mehreren Sprachen enthalten, darunter Deutsch.

Die Audioführer passen sich dem Tempo der Besucher an und die Beschreibungen werden durch Sensoren in den jeweiligen Bereichen des Gebäudes geladen. Es ist aber auch möglich, manuell zu den Kommentaren zu springen. An manchen Orten können über QR-Codes kurze, informative Videos abgespielt werden.

Patio der Schmetterlinge (Patio de mariposas)

Nach Betreten der Casa Milà findet man sich direkt im größeren der beiden Innenhöfe wieder und erlebt gleich den ersten Wow-Moment der Besichtigung. Wie ein Tunnel leitet der Innenhof Luft und Licht nach unten und sorgt für die Belüftung und Beleuchtung der Wohnungen.

Damals waren eigentlich viel kleinere Innenhöfe üblich, die hauptsächlich dazu dienten, Küchen und Bäder zu belüften. Da die Pedrera nicht von der Fassade sondern von Säulen getragen wird, konnte Gaudí die Patios größer gestalten und zahlreiche Öffnungen für die Fenster lassen. Die Fenster auf den unteren Etagen gestaltete er größer, um mehr Lichteinfall zu gewährleisten.

Die Treppe, die die Wohnungen der Milàs im Zwischenstockwerk und in der Hauptetage miteinander verband, wird durch eine seitliche Eisenkonstruktion gestützt - auf diese Weise wurde keine Fläche für Stützpfeiler verschwendet.

Eine Treppe die in der Luft zu hängen scheint führt vom Zwischengeschoss über den Innenhof ins Hauptgeschoss.
Die stützenden Säulen sind an der inneren Fassade deutlich zu sehen

Die Audioführer kónnen in einem Raum in der Unterführung zwischen den Patios abholen werden und sperrige Taschen in den Schließfächern zurückgelassen werden.

Mit dem Fahrstuhl gelangt man in den vierten Stock, wo die Tour fortgesetzt wird. Wer fit ist und keine Lust hat in der Schlange zu stehen, kann die von Gaudí besonders benutzerfreundlich gestalteten Treppen nehmen, deren Stufen dem menschlichen Schritt angepasst sind.

Typisch bürgerliche Wohnung im untypischen Baustil

Die einzige der Öffentlichkeit zugängliche Wohnung der Pedrera ist im Stil der katalanischen Oberschicht zu Beginn des 20. Jahrhunderts eingerichtet. So oder ähnlich haben die Bewohner der Casa Milà vor über hundert Jahren hier gelebt.

Dabei handelt es sich leider nicht um die ehemalige Wohnung der Familie Milà, sondern um eine der Mietwohnungen, in der Roser Segimons Schwägerin bis zu ihrem Tod lebte. Die einzigen Originalmöbel der Milàs sind im Schlafzimmer ausgestellt, die Roser Segimon aus ihrer ersten Wohnung in Paris mitbrachte.

Das Ölporträt, das im Wohnzimmer bewundert werden kann und das sie mit ihren beiden Papageien zeigt, stammt ebenfalls aus ihrem Originalbesitz.

Antik eingerichtetes Wohnzimmer in der Casa Milà.
Typisches Wohnzimmer Anfang des 20. Jahrhunderts

Die meisten von Gaudí entworfenen Möbel wurden nach dessen Tod von Roser Segimon entsorgt und sind teilweise noch in privaten Sammlungen und Museen erhalten.

Gaudís Schaffen ist heute vor allem in den dekorativen Elementen, wie Türen, Türgriffen, Zierleisten, Böden und Decken, zu finden. Und natürlich in der innovativen Ausrichtung der Wohnung selbst.

Am Ende dieses Artikels findet ihr weitere Information über die Architektur der Wohnungen.

Dachboden und Espai Gaudí

Die Casa Milà wird von einem Dachgeschoss gekrönt, das das Gebäude wie eine riesige Isolierhaube schützt. Für zusätzlichen Schutz sorgen die "Wächter" auf der Dachterrasse, die von 270 Kettenlinienbögen aus Backstein gestützt wird. Die Bögen erinnern an das Gerippe eines Walfischs, weshalb dieser Bereich auch der "Wal-Dachboden" genannt wird.

Der Dachboden der Casa Milà erinnert an die Rippen eines Wales, von innen gesehen.

Früher befanden sich im Dachgeschoss die Waschräume, die allen Bewohnern der Casa Milà zugänglich waren.

Heute ist dieser beeindruckende Raum dem Schaffen Gaudís gewidmet. Im Espai Gaudí erfährt man anhand Skizzen und Baummodellen mehr über die Werke von Barcelonas einflussreichstem Architekten.

Dachterrasse der Casa Milà

Die Dachterrasse der Pedrera ist einer der magischsten Orte Barcelonas.

Mit ihren ungewöhnlichen Formen regen die Kamine, Luftschächte und Treppenhausausgänge die Phantasie der Betrachter an und lassen viel Raum für Interpretationen. Einige erinnern die Schornsteine an die Helme römischer Krieger, weshalb die Dachterrasse der Casa Milà auch La azotea de los guerreros genannt wird.

Die steinernen Wächter der Pedrera erinnern an die Weltraumritter in Star Wars.

Moderne Gemüter erkennen in den Kaminen Weltraumritter und gehen so weit zu behaupten, dass George Lukas sich bei der Verfilmung von Star Wars von ihnen inspirieren ließ.

Was sich Gaudí bei der Symbolik genau gedacht hat, ist ungewiss, aber wie immer vereinte er Ästhetik mit Funktionalität, um die Bewohnbarkeit und den maximalen Wohnkomfort seiner Gebäude zu gewährleisten.

Die heutigen Besitzer der Pedrera bezeichnen die Schornsteine als ihre „Wächter” und wenn man den Audioführer abnimmt, hört man sie über versteckte Lautsprecher dunkel raunend Gedichte aufsagen – vielleicht, um Gefahren abzuhalten?

Von der Dachterrasse der Pedrera hat man einen herrlichen Ausblick auf einige Wahrzeichen Barcelonas, darunter die Sagrada Familia, die sich schon seit über 140 Jahren im Bau befindet.

Die Pedrera war Gaudís letzter Profanbau, bevor er sich ganz seinem Lebenswerk widmete und es wird erzählt, dass der große Architekt oft gedankenverloren auf der Terrasse stand und auf seine wachsende Basilika blickte.

Das Licht der untergehenden Sonne färbt die Weltraumritter auf der Dachterrasse rot.

Da wir unseren Besuch der Pedrera im Herbst auf den späten Nachmittag gelegt hatten, konnten wir den beeindruckenden Sonnenuntergang von der Terrasse aus miterleben. Die tiefstehende Sonne tauchte die Dachterrasse in mystisches Licht und die Wächter warfen ihre langen Schatten schützend auf das Gebäude.

Mit zunehmender Dunkelheit wirkte die skurrile Dachlandschaft dank der geschickten Beleuchtung immer geheimnisvoller und das leise Raunen der Wächter schien stetig anzuschwellen, denn in der Dunkelheit lauern ja bekanntlich besonders viele Gefahren.

Die Weltraumritter auf der Dachterrasse schimmern abends in geheimnisvollem Licht.

Durch einen der Treppenschächte gelangt man über sechs Stockwerke zurück ins Erdgeschoss. Wer Probleme beim Treppensteigen hat, kann auf Nachfrage den Aufzug nehmen.

Bei Regen ist die Dachterrasse aus Sicherheitsgründen geschlossen (zum Glück regnet es in Barcelona eher selten).

Patio der Blumen (Patio de los flores)

Unsere Besichtigung endete im Patio der Blumen, das etwas kleiner ist als das Patio der Schmetterlinge und eine runde Form hat.

Einfahrende Fahrzeuge hatten auf der Fläche des Innenhofs Platz zum Manövrieren, um über die Rampe ins Untergeschoss zu den Garagen zu gelangen. Die unterirdischen Parkplätze waren ebenfalls kreisrund angelegt, um möglichst keinen Platz zu verschwenden. Eine Besichtigung der Tiefgarage ist in der Tour nicht beinhaltet, heute sind dort hauptsächlich Tagungsräume untergebracht.

Ein Hingucker ist auch hier die Treppe, über die die Milàs vom Passeig de Gràcia aus kommend in ihre Wohnung gelangten. Die Decke und die Wände sind mit floralen, ockerfarbenen Wandmalereien verziert, die an toskanische Fresken erinnern.

Die beiden Innenhöfe der Pedrera sind durch eine Rampe miteinander verbunden, über die man zurück zum Patio der Schmetterlinge gelangt. Die Besichtigung endet im Souveniergeschäft, wo man die Gelegenheit hat, ein geschmackvolles Andenken an den Besuch der Casa Milà zu erwerben.

Lohnt sich ein Besuch der Casa Milà?

Ich bin ein großer Fan der Casa Milà, die ihrer Zeit weit voraus war. Sie ist von außen vielleicht nicht so hübsch wie die Casa Batlló, aber dadurch das Gaudí sie von Grund auf neu baute, konnte er kompletten Einfluss auf ihre Struktur nehmen.

Um die Casa Milà wirklich "zu verstehen", sollte man unbedingt etwas Zeit in dem schön gestalteteten Espaí Gaudí im Dachgeschoss der Pedrera verbringen, wo man einen umfassenden Einblick in alle Werke Gaudís erhält. Je mehr ihr über den Architekten erfahrt, desto mehr wird euch seine innovative Bauweise überzeugen!

Das absolute Highlight ist die Dachterrasse mit ihrer ungewöhnlichen, blickfangenden Struktur , die selbst Kulturbanausen in ihren Bann zieht. Vor allem bei Sonnenauf- und untergang zählt die Dachterrasse zu den magischsten Orten Barcelonas.

Praktische Tipps für einen Besuch der Pedrera

Wann in die Casa Milà?

Wir haben die Pedrera im Winter am späten Nachmittag besucht. Ich fand, dass es die perfekte Zeit war, um die Dachterrasse zu genießen. Der Nachteil war allerdings, dass nur wenig Licht in die Wohnung im Epochenstil fiel und somit Gaudís Einbezug des Lichts in seine Architektur nicht ganz zur Geltung kam.

Im Sommer kann man die Besichtigung der Casa Milà alternativ auf den frühen Vormittag legen, bevor sie sich mittags mit Touristen füllt. Generell sollte man im Sommer die Mittagszeit meiden, wenn die Sonne gnadenlos auf die schattenlose Dachterrasse knallt.

Wer das Budget hat, sollte eine Besichtigung bei Sonnenaufgang in Betracht ziehen. Meiner Meinung nach lohnt es sich, etwas mehr zu bezahlen, um diesen besonderen Ort in Ruhe erleben zu können.

Wie viel Zeit braucht man für die Casa Milà?

Für die Besichtigung der Casa Milà sollte man mindestens 90 Minuten einplanen. So bleibt genug Zeit, um der Beschreibung des Audioführers zu lauschen und alles ausgiebig zu besichtigen. Im Espai Gaudí sollte man sich die Zeit nehmen, um mehr über den geistigen Vater der Pedrera zu erfahren, dessen Werke man in Barcelona noch häufiger sehen wird.

In welchem Barcelona-Pass ist der Besuch der Casa Milà beinhaltet?

Allen Gaudí- und Architektur-Liebhabern lege ich den Ticket Symbol.Modernista Pass ans Herz, mit dem man Eintritt zu den schönsten Bauten des katalanischen Jugendstils erhält. Der Modernista Pass beinhaltet alle Gaudí-Häuser in Barcelona sowie weitere modernistische Bauten, darunter die Jugenstilanlage Sant Pau und der Palau de la Música Catalana.

Schaut euch die Wettervorhersage an!

Die Dachterrasse ist einer der Höhepunkte der Besichtigung. Bei Regen wird sie aus Sicherheitsgründen geschlossen – was für viele ein echter Dealbreaker sein kann. Den vollen Eintrittspreis muss man natürlich trotzdem bezahlen.

Eine Vorausbuchung ist wichtig, vor allem in der Hochsaison. Im Winter können Buchungen aber auch relativ kurzfristig vorgenommen werden, so kann man sich (hoffentlich) einen sonnigen Tag aussuchen.

Alternativ kann in der Hochsaison auch ein flexibles Ticket gekauft werden, das man zur Not auf einen anderen Tag umbuchen kann (Dauerregen in Barcelona ist selten).

Weitere Häuser von Gaudí

Die Casa Batlló hat von außen nicht viel mit der Pedrera gemeinsam. Im Gegensatz zur grauen, ausladenden Steinfassade der Pedrera, schillert die mit Keramikscherben besetzte Casa Batlló tagsüber in allen Farben.

Auch ihr märchenhaftes Inneres versetzt viele Besucher ins Schwärmen und ist einen Besuch wert. Die Tickets für die Casa Batlló sind etwas teurer, dafür ist das Besuchererlebnis mit modernster Technik aufgerüstet.

Die Casa Batlló liegt unweit der Pedrera entfernt und kann zu Fuß über den Passeig de Gràcia erreicht werden.

Gaudí hat in Barcelona tiefe Spuren hinterlassen und es gibt noch viele andere seiner Werke zu bestaunen, darunter die Casa Vicens und der Palau Güell. Meiner Meinung nach kommt keines dieser früheren Werke an die Casa Milà heran, aber durch ihre Besichtigung kann man viel über den genialen Architekten erfahren. Mein persönlicher Favorit ist die etwas abgeschieden am Stadtrand von Barcelona gelegene Torre Bellesguard, wo sich nur wenige Touristen hinverirren.

Casa Milà Architektur

Zugegeben, auf den ersten Blick macht die Casa Milà nicht viel her, aber mit ihrem innovativen Design zählt sie zu den bedeutendsten Werken Gaudís. Als letzter Profanbau des Architekten spiegelt sie seine künstlerische Reife und einzigartige Vision wie kein anderes seiner Gebäude wieder.

Ein Model der Casa Milà im Dachboden der Pedrera.
Modell der Pedrera, ausgestellt im Espai Gaudí

Betrachtet man das Modell der Casa Milà im Espai Gaudí von oben, erkennt, so erkennt man, dass sich die Pedrera aus zwei Wohnblöcken zusammensetzt, jeder mit einem eigenen Eingang und Innenhöfen, die miteinander verbunden sind.

Alle Hauptzimmer zeigen zur Außenfassade, während die inneren Räume an die lichtdurchfluteten Gänge grenzen, die sich um die großen Innenhöfe ziehen.

Sowohl Antoni Gaudí als auch Pere Milà i Camps waren sehr fortschrittliche Zeitgenossen und mit ihrem Denken den damaligen Zeiten voraus. Die Casa Milà war mit allem Komfort des "modernen" Lebens ausgestattet: Strom, heißem Wasser, einem Aufzugschacht (der Aufzug wurde erst später eingebaut) und einer Tiefgarage.

La Pedrera - Fassade aus Stein

Die Bauweise der Casa Milà spiegelt den naturalistischen Stil Gaudís wieder, der hier perfektioniert wurde.

Von außen wirkt die Casa Milà wie ein riesiger, von den unermüdlichen Wellen des Meeres polierter Fels und das Spiel aus Licht und Schatten lässt die Fassade dynamisch erscheinen. Der fast organische Effekt wird durch die schmiedeeisernen Geländer der Balkone verstärkt, die an Algen erinnern.

Fassade der Casa Milà in Barcelona.

Die selbsttragende Kalksteinfassade ist freistehenden von der inneren Struktur, was die durchgehend gekrümmte, gewellte Form und die großen Öffnungen im Stein für Fenster und Balkone ermöglicht. Gestützt wird das Gebäude durch Stahlträger, die hinter der Fassade verlaufen und mit der Innenstruktur verbunden sind.

Dieses Design ermöglichte große kreative Freiheit und Funktionalität im Innenraum: da die Trennwände zwischen und in den Wohnungen keine strukturelle Aufgabe übernahmen, war eine freie Raumaufteilung möglich.

Die Wohnungen der Casa Milà

Die wellenhafte Struktur der Fassade setzt sich im Inneren der Casa Milà fort und überträgt sich auf die Gipsdecken, deren gerippte Struktur an einen von Strömungen aufgewühlten Meeresboden erinnert.

In der Hauptwohnung, die von der Familie Milà bewohnt wurde, rankten sich an den dekorativen Säulen "Algen" empor und streckten sich bis zur Zimmerdecke. Leider gingen die Geschmäcker von Antoni Gaudí und Roser Segimon-Milà bezüglich der Inneneinrichtung stark auseinander und nach dessen Tod ließ sie die Wohnung umgestalten, wodurch viele der ornamentalen Strukturen zerstört wurden. Andere wurden mit Gips bedeckt und konnten später wieder freigelegt werden.

Ecken und Kanten wird man in der Casa Milà nur schwer finden - sehr zum Verdruss von Frau Milà-Segimon. Eine nette kleine Anekdote erzählt, dass sich Milàs Gattin bei dem Architekten über den Mangel an geraden Wänden beschwert hatte, an der sie ihr Piano aufstellen wollte. Gaudí soll ihr daraufhin in seiner nonchalanten Art geraten haben, doch einfach Violine zu spielen.

Da die Zimmerwände keine tragende Funktion übernehmen und die innere Struktur von Stein-, Ziegel- und Eisensäulen gestützt wird, weisen alle Stockwerke unterschiedliche Grundrisse auf.

Alle Wohnungen grenzen auf der einen Seite an die Hauptfassade und auf der anderen Seite an den Innenhof; die Zimmer sind durch einen Flur verbunden, der sich um den Innenhof schlängelt.

Die Wohnung der Milàs erstreckte sich über zwei Stockwerke - der Hochparterre und dem ersten Stock - und war in insgesamt 35 Räume unterteilt. Die übrigen Stockwerke waren jeweils in vier Wohnungen aufgeteilt, mit Ausnahme des obersten Stockwerks, das in zwei große Wohnungen für zahlungskräftigere Mieter unterteilt war.

Erste private Tiefgarage

Die Casa Mià war das erste Wohngebäude in Barcelona, das eine Tiefgarage für Autos und Kutschen besaß. Die Stellplätze für die Fahrzeuge liegen unter den Patios und sind deren Grundrissen angepasst.

Señor Milà ging bzw. fuhr übrigens mit der Zeit und gehörte zu den ersten Personen in Barcelona, die ein Auto besaßen.

Die Innenhöfe - Licht und Luft

Das Patio der Blumen und das Patio der Schmetterlinge bilden die inneren Achsen der Pedrera und spielen eine große Rolle in der stützenden Funktion des Gebäudes.

Wie bei der Hauptfassade tragen auch bei der inneren Fassade nicht Wände, sondern Säulen das Gewicht. Zwischen diesen Säulen erstrecken sich große Fenster, durch die Licht in die Wohnräume und Flure dringen kann - dabei werden die Fenster nach unten hin zunehmend größer.

Die breiten Korridore, die sich um die Innenhöfe winden und alle Zimmer einer Wohnung miteinander verbinden, sorgen für Luftzirkulation und machen eine Klimaanlage überflüssig.

Blick von der Dachterrasse auf den Innenhof.

Der Dachbereich

Gekrönt wird die Casa Milà vom Dachgeschoss und der Dachterrasse, die das Gebäude wie eine riesige Isolierhaube schützen.

Gaudí verwandelte die notwendigen, aber profanen Elemente wie Schornsteine, Abzugsventile und Treppenschächte in Kunstwerke. Insgesamt 38 Wächter „beschützen” heute die Casa Milà vor Gefahren - so lautet zumindest die offizielle Interpretation, denn was sich der Architekt bei der Gestaltung wirklich gedacht hat, ist nicht klar.

Geschichte der Casa Milà

Die Pedrera erhielt ihren offiziellen Namen, wie damals üblich, von dem Herrn des Hauses, Pere Milà i Camps, einem einflussreichen Politiker und Industriellen. Die eigentliche Besitzerin war jedoch seine Ehegattin Roser Segimon, die das Grundstück am Passeig de Gràcia im Jahr 1905 mit der Erbschaft ihres ersten, verstorbenen Gatten erwarb.

Beeindruckt von der Schönheit der nahegelegenen Casa Batlló, beauftragte das Ehepaar im Jahr 1906 Barcelonas berühmten Architekten Antoni Gaudí mit der Errichtung eines Herrenhauses. Das Hauptgeschoss sollte der Familie Milà als Residenz dienen, während die übrigen Wohnungen vermietet werden sollten.

Der Bau erlitt über die Jahre mehrere Verzögerungen, da sich der unkonventionelle Gaudí sich weder an seine eigenen Pläne noch an die Vorschriften der Stadtbehörde hielt und das Gebäude die Baubestimmungen in Höhe und Breite übertraf. Die Behörde verhängte einmal sogar einen kompletten Baustopp, weil einer der Stützpfeiler zu weit auf den Gehsteig ragte, welchen Gaudí aber unbeeindruckt ignorierte.

Den Milà-Segimons wurde von den Behörden eine hohe Geldbuße auferlegt - unter Androhung des Abrisses des Dachgeschoss samt Dachterrasse. Glücklicherweise bezahlten sie die Strafe, sodass die Dachterrasse erhalten blieb. Allerdings war das Verhältnis zu Gaudí dadurch verständlicherweise stark strapaziert.

Schließlich wurde das Gebäude aufgrund seines monumentalen Charakters von den strikten Bauvorschriften befreit.

Aufgrund starker Meinungsverschiedenheiten über die Innenausstattung gab Gaudí 1909 kurz vor Fertigstellung die Leitung des Baus der Pedrera ab.

Das gab der bereits vorbelasteten Beziehung zwischen den Milàs und Gaudí den Rest und der Architekt musste später vor Gericht gehen, um sein Honorar einzuklagen. Er gewann den Rechtsstreit übrigens und spendete den gesamten Betrag an die Jesuitengemeinde von Barcelona.

Vom Spottobjekt zum Weltkulturerbe

Nach ihrer Fertigstellung im Jahr 1912 stieß die Casa Milà nicht nur auf Wohlwollen, sondern war auch Anlass für viel Spott bei der Bevölkerung Barcelonas. Die Anwohner des Bezirks schnitten die Familie Milà, sie waren der Meinung, das seltsam verschnörkelte Gebäude würde die Immobilienwerte im Viertel senken. Aus jener Zeit stammt auch der Name La Pedrera (der Steinbruch), den die Casa Milà heute voller Stolz trägt.

Im Jahr 1946, sechs Jahre nach Milàs Tod, verkaufte Roser Segimon das Gebäude an eine Immobiliengesellschaft, blieb aber bis zu ihrem Lebensende dort wohnen.

1984 wurde Casa Milà von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Im Jahr 1986 kaufte die Stiftung Caixa Catalunya das in die Jahre gekommene Gebäude und ließ es 1987 komplett renovieren und unter anderem ein Kulturzentrum darin unterbringen.

Heute erhält die Casa Milà jährlich über 1 Million Besucher aus aller Welt.

Prinzen und Hellseher - die ehemaligen Bewohner der Pedrera

Die Familie Milà-Segimon, die auf der Hochparterre und der Hauptetage (Planta Noble) im ersten Stock des Gebäudes lebten, waren nicht die einzigen Bewohner der Pedrera.

Im Laufe der Jahre wurden die Wohnungen und Räume der Casa Milà an verschiedene Unternehmen und Privatpersonen vermietet. Unter anderem waren eine Herberge, eine Bingohalle, ein Dating-Service, das Büro eines Hellsehers und sogar ein ägyptischer Prinz mit seinem Harem dort untergebracht.

Während des Zivilkriegs wurde das Erdgeschoss von der sozialistischen Partei PSUC beschlagnahmt und die Wohnung der Milàs als Hauptsitz genutzt. Die Familie Milà befand sich zu dem Zeitpunkt in ihrem Ferienhaus an der Costa Brava und kehrte erst nach Kriegsende zurück.

Heute wohnt nur noch eine Mieterin in dem riesigen Gebäude, die sich damit abgefunden hat, sich auf dem Weg zum Supermarkt durch Massen von Touristen schleusen zu müssen. Als letzte Mieterin hat sie einen gewissen Berühmtheitsstatus erlangt und sogar einen Roman mit dem Titel La última vecina verfasst.

Geschrieben von Alex

Als ich vor 15 Jahren das erste Mal nach Barcelona kam, habe ich mich sofort in diese wunderschöne Stadt verliebt, also bin ich direkt hiergeblieben und mittlerweile ist Barcelona zu meiner Heimat geworden. In diesem Blog will ich euch "meine" Stadt vorstellen und euch zeigen, was Barcelona so besonders macht.

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