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Das segelförmige W Hotel am Strand von Barcelona, mit Wellen im Vordergrund.

Surfen in Barcelona

Surfen in Spanien

Bei Planung eines Surf Trips nach Spanien fällt die erste Wahl sicherlich nicht auf Barcelona. Die Stadt am Mittelmeer hat einiges zu bieten, aber gute Wellen zum Surfen schlägt das Binnenmeer nur selten.

Es gibt zahlreiche bessere Regionen, an denen fast das ganze Jahr über gute Konditionen zum Wellenreiten herrschen, hauptsächlich an der Atlantikküste – vom Baskenland im Nordosten Spaniens, bis Galizien im Nordwesten.

Aber: Angeblich ist Barcelona die Stadt, in der die meisten Surfbretter in Spanien verkauft werden. Ist das alles nur Show? Oder kann man im Mittelmeer tatsächlich surfen?

Wie ihr seht, kann man – je nach dem was man erwartet, wird man entweder enttäuscht oder angenehm überrascht sein.

Man sollte sich darüber im klaren sein, dass selbst wenn die Bedingungen an guten Tagen das Surfen in Barcelona zulassen, die kraftlosen, schaumigen Wellen des Mittelmeers von Haus aus nicht zum Wellenreiten geeignet sind.

Wo man in Zarautz noch nicht mal den kleinen Zeh ins Wasser halten würde, liegen hier hoffnungsvolle Surfer bei Verdacht auf Swells stundenlang wie Teebeutel im Wasser.

In diesem Artikel dreht sich alles um’s Wellenreiten; Wind- und Kitesurfen kann man in Barcelona zwar auch, bzw. besser, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

So began der Surf in Barcelona..

Die Geschichte des Surf in Barcelona begann im ehemaligen Fischerviertel Barceloneta, das damals den einzigen – wenn auch recht unattraktiven und schmutzigen – Strand der Stadt besaß.

Mit der Modernisierung des einst heruntergekommenen Viertels für die Olympischen Spiele Anfang der 90er, u.a. dem Bau der Strandpromenade und der Erschliessung neuer Strände, öffnete sich Barcelona dem Mittelmeer und zog Einheimische und Touristen massenweise ans Meer.

Laut urbaner Legende waren australische Vertragsarbeiter, die bei der Sanierung mitwirkten und in ihren Pausen abwechselnd auf dem einzig verhandenden Board surften, massgeblich an der Verbreitung des Surf in Barcelona beteiligt. Filme wie “Point Break – Gefährliche Brandung” stärkten das coole Image des Sports noch und über die Zeit erlebte die Surfkultur in Barcelona einen Aufschwung und entwickelte sich in den letzten Jahren schliesslich zum Trend.

Wo man aus anderen Teilen Spaniens noch bis vor Kurzem mit einer Mischung aus Mitleid, Schadenfreude und Verachtung auf den Surf in Barcelona blickte, wird er nun zumindest respektiert und vor allem monetarisiert und Surf Shops und Surfschulen haben in der Kosmopole Einzug gehalten.

Surf Shops in Barcelona

Hier findet man alles was man benötigt, um zu surfen und dabei gut auszusehen, von Boards, Neoprenanzügen, Bademode, Streetwear, Sonnenbrillen, bis Bücher und Videos. Auch Skater und Snowboarder finden in den grösseren Shops alles, was sie zur stilvollen Ausübung ihres Sports benötigen.

  • Tactic Surf Shop, das erste Geschäft seinesgleichen in Barcelona, mit grosser Auswahl an Boards verschiedener Marken
  • Nike Box Barcelona, vermietet u.a. auch Surf- und SUP Ausrüstung
  • Boardriders Barceloneta, ehemals Quiksilver Inc und u.a. Eigentümer der Marken Quiksilver, Roxy und Billabong
  • La General Surfera, der grösste Surf Shop Spanien’s
  • Wet Dreams, u.a. Boards und Klamotten aus recyceltem Material, mit gemütlicher Kaffee-Ecke und Wifi Anschluss
  • La Joya Surfing, verkauft lokale, handgefertigte Produkte

Eine auf die Hochhäuser von Barcelona zuschnappende Welle aus dem Wasser bei Dämmerung fotografiert.

Surfschulen in Barcelona

Die Escola Catalana de Surf mit Standorten im Eixample in Barcelona und in Castelldefels, bietet Surfstunden für verschiedene Niveaus und Aktivitäten wie Sunrise bzw. Sunset SUP (Stand Up Paddle), Full Moon SUP, Yoga SUP etc an.

Auch die renommierte, aus dem mit Wellen gesegneten Baskenland stammende Surfschule Pukas Surf Eskola witterte Umsatz in Barcelona und eröffnete am Strand von Somorrostro eine Filiale (im Club Patí Vela).

Andere Schulen wie die BCN Surf School haben keinen festen Standort und transportieren ihre Schüler direkt zu den besten Spots des Tages, an Stränden zwischen Vilassar de Mar und Sitges.

Surf Club

In Locals Barceloneta können Mitglieder gegen einen monatlichen Beitrag
– es gibt verschiedene Preismodelle –  im Club ihre Ausrüstung aufbewahren und alle Installationen wie warme Duschen und Schliessfächer geniessen. Im Shop können Surfbretter und anderes essenzielle Material zum Wellenreiten gekauft werden.

Surftrips & Community

Sharryup ist eine junge und wachsende Surf Community, welche Surf Trips in verschiedene Surfregionen weltweit organisiert, von Frankreich bis Kanarische Inseln bis Nicaragua. Das Surfniveau ist generell eher niedrig und die Gemeinschaft und Spass stehen hier im Vordergrund.

Hangouts für Surfer

Surf House Barcelona, c/L’Almirall (Barceloneta)
Coole Californian Style Bar mit Terrasse mit Blick auf den Strand. Hier kann man nach einer guten Surfsession (oder auch sonst) gesundes Frühstück oder ungesundes Fast Food zu touristischen Preisen konsumieren. Das Surf House bietet verschiedene Packs und Aktivitäten an, z.B. free Paddle Surf, bei einem Minimum-Konsum ab 15,-€ (in Speisen und Getränken).

Blu Bar, Rambla de Poblenou 11
Lockere Atmosphäre und gutes Essen mit frischen Zutaten, viele vegetarische/vegane Optionen: Salate, Tapas, (Gourmet) Sandwiches, Pizzas und leckere Cocktails.

Wann und wie lange kann man in Barcelona surfen – Die Surfsaison im Mittelmeer

Wer während des Sommers nach Barcelona kommt, sollte besser jegliche Hoffnung darauf im Mittelmeer zu surfen, komplett aufgeben. Wer seinen Urlaub unbedingt mit einem Brett unter den Füssen verbringen will, kann das immer beliebtere Stand Up Paddle ausprobieren.

Winde und Stürme über dem Mittelmeer treiben die heissersehnten Swells ab Ende September/Anfang Oktober nach Barcelona, die Saison ist unberechenbar und endet im April.

Im Schnitt kann man an ungefähr 30 Tagen surfen, mit Wellen von mehr oder weniger guter Qualität. Von diesen 30 sind c.a. 2 Tage “episch”, von deren Erinnerung der Surfer in Barcelona die Wochen und Monate zehrt, an denen das Mittelmeer platt wie ein Spiegel ist.

Tipp: Aufgrund der kühlen Wassertemperaturen im Winter ist ein Neoprenanzug von 4.3 mm empfehlenswert.

Gute Planung ist der halbe Surf – Ein Tag im Leben eines Surfers in Barcelona

Der Tag eines jeden ernsthaften Surfers in Barcelona beginnt während der Wintermonate vor Sonnenaufgang, mit einem müden, aber hoffnungsvollen Blick in die “Previs” (z.B. von windy.com).

Wellengrösse, Wellenabstände, sowie Windrichtung und Windstärke werden pingeligst ausgewertet und Live Streams von Webcams an verschiedenen Stränden begutachtet. Fotos und Berichte von optimistischeren Kollegen, die sich bereits an einem der Strände befinden, werden über WhatsApp ausgetauscht.

Abhängig von den Vorhersagen beginnt der Tag entweder mit Trübsinn oder Optimismus und proportional zu den Swells schwellen auch die Emotionen.

Hat man nach Analysieren der Vorhersagen entschieden, dass es sich lohnt aufzustehen, heisst es vor allem schnell sein, da der Wind über dem Mittelmeer sehr launisch ist und sich in Sekundenschnelle drehen kann.

Wo kann man in Barcelona surfen – Die besten Surfspots in und um Barcelona

Generell funktionieren die Strände im Zentrum von Barcelona – von Barceloneta bis Forum – am Besten mit Swells aus dem Osten/Nordosten.

Die meisten Spots an der Küste von Barcelona sind Beach Breaks und brechen, abhängig von Sand-, Wind- und Meeresbewegungen, nach rechts oder links entlang eines Strandes über dem Meeresboden.
In touristischen Städten wie Barcelona wird das Profil des Meeresgrundes
(und dadurch die Wellen) ausserdem durch künstliche Ausbaggerungen oder Sandaufschüttungen beeinflusst.

Entlang der zahlreichen Wellenbrecher an den Stränden von Barcelona machen die Wellen genau das was sie sollen; hier brechen sie oft am besten und können bei Kenntnissen der Swell- und Windrichtung leichter vorausgesagt werden.

Vor allem Anfänger und Surfer die ausser Form sind könnten Schwierigkeiten beim Rauspaddeln haben, da die oft starken Strömungen unterschätzt werden. Vor Eintritt ins Wasser sollte man deshalb die Locals beobachten, sie kennen die Konditionen und die besten Wege, um zu den Lineups zu gelangen.

Das bewegte Meer am Strand von Barceloneta im Winter, das Hotel W im Hintergrund.

Playa Sant de Sebastià bis Playa de la Barceloneta

Die Wiege des katalanischen Surf und beliebtester Strand in Barcelona. Einfache, schnelle (und wie man sieht fotogene) Welle, funktioniert am Besten mit Swells aus Osten und Wind aus Westen.

Surfer aller Niveaus und aus aller Welt liegen im Schatten des Hotel W geduldig Schlange und warten auf ihre Gelegenheit. Die Locals hier sind an Touristen gewöhnt und man kommt schnell mit ihnen ins Gespräch.

Playa de Levante “Killers” (Diagonal Mar/Forum)

Potente und schnelle Welle, die je nach Swell- und Windrichtung rechts oder links vom Strand an den Hafendämmen bricht.

Die linke Welle “La Izquierda” funktioniert am besten bei Swell aus dem Süden und Wind aus dem Norden/Nordwesten, die Rechte “La Derecha” bei Swell aus dem Osten/Nordosten und Wind aus dem Norden/Nordwesten.

Noch nicht so überfüllt wie Barceloneta, ist dieser Spot schon lange kein Secret mehr und mittlerweile surfen hier Wellenreiter aus aller Welt, unter dem teilweise eifersüchtigen Blick der Locals.

Playa el Prat, Delta Rio Llobregat

Unter Einheimischen beliebter Beach Break im Delta des Flusses Llobregat, in der Nähe des Flughafens El Prat.

Welle bricht am Hafendamm vor dem Forum in Barcelona.

Surfspots ausserhalb von Barcelona

Die Costa Dorada südlich von Barcelona

Port Ginesta, Castelldefels | Garraf

Lange und unterhaltsame Wellen treten an guten Tagen in der Nähe der Felsen am Hafen auf (Vorsicht, hier ist man ungeschützt dem Wind und den Strömungen ausgesetzt). Für gute Wellen ist mittelgrosser bis grosser Swell aus dem S|SO Voraussetzung.

Hier hat die Surfschule Escola Catalana de Surf einen Standort, wo man u.a. Material ausleihen und sich nach den Meereskonditionen erkundigen kann.

Garraf

Malerischer, ruhigerer Spot an mit Fischerhütten gesäumtem Strand,
c.a. 30 Minuten Autofahrt vom Zentrum von Barcelona. Beach Break über leicht steinigem Meeresgrund, Wellen formen sich vor allem in der Nähe des Piers.
Einfache und unterhaltsame Welle die am Besten mit S|SO Swell funktioniert.

El Cementerio, Playa de Balmins (Sitges)

Diese unter Longboardern beliebte, langsame und träge Welle, bricht am Eingang des Hafens von Sitges. Am besten mit starken Swells aus dem O|NO|SO zu geniessen.

Der Name bezieht sich auf den nahegelegenen Friedhof und nicht auf dem Meeresgrund ruhende Surfleichen.

Drei Surfer am Wellenreiten.

Die Küste von Maresme nördlich von Barcelona

Die Beach Breaks an den Stränden zwischen Badalona und
Vilassar de Mar funktionieren vor allem mit Swells aus dem Osten und Nordosten und, wie immer, Offshore Wind aus der entgegengesetzten Richtung.

Windreiche Gegend, in der der Wind oft von der Seite kommt, Sessions sind oft von kurzer Dauer.

El Masnou

Unterhaltsame, windgeschützte Welle auf der rechten Seite der Renfe Station und des Hafens (von den Bergen aus gesehen), funktioniert nur mit starkem Swell aus O|NO mit Wellengrösse ab 1 m.

La Caleta – Montgat Nord | Montgat

Einer der bekanntesten und beliebtesten Surfspots an der Küste von Maresme, am Besten bei NO Swell mit Wind aus dem Osten zu geniessen, funktioniert auch mit Swells aus dem SO, die Wellen verlieren aber an Qualität. Vorsicht vor der teilweise starken Strömung!

Vilassar de Mar

Dieser Strand zwischen Premia de Mar und Vilassar de Mar erzeugt bei Swells aus O|NO|S kraftvolle und schnelle Wellen, die bei den richtigen Windbedingungen (O) von links kommende Tubes bilden.

Fazit zum Surf in Barcelona:

Wer in den Urlaub fliegt um zu surfen, sollte sich lieber ein anderes Ziel suchen.

Surfer, die bereits in Barcelona leben oder vorhaben hier zu leben, müssen aber nicht alle Hoffnung aufgeben. Mit etwas Ausdauer und Sportgeist (plus ein paar Surftrips nach Kantabrien oder Bali) können sie hier Erfüllung finden; und die Jagd auf die Welle im Mittelmeer ist fast schon ein eigenständiger Sport.

Diejenigen letztendlich, die es einfach nur geniessen wollen, das Mittelmeer direkt vor der Haustür zu haben und sich am Wochenende ein bisschen im Wasser amüsieren und dabei Leute kennenlernen wollen, werden hier in Barcelona viele Gleichgesinnte finden.

Wie immer sind Kommentare gerne willkommen, vor allem wenn jemand unerwarteterweise seinen Lieblings- Surf Spot mit anderen teilen mag..

Surf Foto- und Videosession

Brauchst du Beweise für die Daheimgebliebenen, dass man in Barcelona wirklich surfen kann?

Frank Morán ist einer der bekanntesten Fotografen und Videomaker der lokalen Surfszene in Barcelona und filmt dich aus dem Wasser, vom Strand und aus der Luft. Von ihm stammen auch alle Fotos und Videos in diesem Artikel.

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