• Menu
  • Menu

Das spanische Gesundheitssystem – zum Arzt in Barcelona

In diesem Artikel erfährst du unter anderem:

•Wie das Gesundheitssystem in Katalonien 
funktioniert
•Wohin du gehen musst, wenn du während deines Urlaubs in Barcelona krank wirst und wer die Kosten übernimmt
•Wohin du gehen musst, wenn du krank bist und in Barcelona lebst
und arbeitest
•Alles über die Baja Médica – so holt man sich in Barcelona die Krankschreibung
•Was passiert, wenn die Mutua oder ICAM dich während deiner Krankschreibung zu einer medizinischen Inspektion zitiert

Einführung in das spanisch-katalanische Gesundheitssystem


Allgemeine Notrufnummer: 112

INSS – Die gesetzliche Krankenversicherung

Die INSS, das Nationale Institut der sozialen Sicherheit, vereint und verwaltet alle sozialen Leistungen des spanischen Systems, inklusive der gesetzlichen Krankenkasse.

Als Arbeitnehmer und Selbstständiger in Spanien ist man verpflichtet, sich bei der Seguridad Social anzumelden und Sozialabgaben zu leisten.

Sozialabgaben und Sozialleistungen

Insgesamt werden monatlich 28,3% des Gehalts an die Seguridad Social abgeführt, wovon 23,6 % vom Arbeitgeber und 4,7 % vom Arbeitnehmer übernommen werden. Zu sehen sind die Abgaben auf der Nomina, der monatlichen Gehaltsabrechnung.

Im Fall von temporärer oder permanenter Arbeitsunfähigkeit wegen Krankheit oder Unfall, bei Arbeitslosigkeit oder im Rentenalter, erhält man Teile dieser Gelder als monatliche Sozialleistungen ausgezahlt.

MIT DER EUROPÄISCHEN KRANKENVERSICHERUNGSKARTE (EHIC=EUROPEAN HEALTH INSURANCE CARD) HAT MAN BEI AKUTER ERKRANKUNG ODER UNFALL ANSPRUCH AUF DIE SELBE MEDIZINISCHE BEHANDLUNG WIE EIN SOZIALVERSICHERTER IN SPANIEN

Gesundheitsdienste und -zentren in Katalonien

CatSalut – Servei Català de la Salut

Das CatSalut untersteht dem Gesundheitsministerium und ist das verwaltende Organ der unten stehenden Gesundheitszentren und -dienste in der autonomen Region Katalonien.

CAP – Centro de la Atención Primaria

Die CAPs sind die Gesundheitszentren für die medizinische Grundversorgung des CatSalut und erste Anlaufstelle bei Krankheiten und medizinischen Notfällen.

In ländlicheren Provinzen werden die CAPs durch die CLs – Consultorios Locales – ersetzt.

Behandlung, Ausstattung und Ärzte im CAP

Die CAPs nehmen generelle Routineuntersuchungen vor und verfügen über medizinische Grundausrüstung wie EKG-Geräte.

Nicht alle CAPs sind gleich ausgestattet, für Untersuchungen wie Röntgen, Ultraschall oder MRT wird man gegebenenfalls an ein spezialisiertes CAP oder Klinik überwiesen, welches über die entsprechende Ausrüstung verfügt.

Im CAP sind hauptsächlich Allgemeinmediziner (Familien- bzw. Hausärzte), Kinderärzte und Pflegepersonal untergebracht.

In spezialisierten CAPs praktizieren ausserdem z.B. Gynäkologen, Psychologen oder Kardiologen, für die man sich ggfls. von seinem Hausarzt (Médico de Cabecera) eine Überweisung holen muss.

Zahnärzte im CAP

Die Zahnärzte des CatSalut sollten nur im Notfall aufgesucht werden, da sie generell nur Zähne ziehen (nach vorheriger Absprache natürlich).

Für alle anderen Behandlungen muss eine private Zahnarztpraxis, bzw. eine Clínica Dental aufgesucht und bezahlt werden. Alternativ können private Krankenversicherungen abgeschlossen werden, die zumindest einen Teil der Kosten übernehmen. Eine Kariesbehandlung kostet privat c.a. 90€, eine Wurzelbehandlung c.a. 180€.

Notfallärzte

Im Normalfall bei Routineuntersuchungen oder gesundheitlichen Problemen, holt man sich vor Arztbesuch einen Termin bei seinem Hausarzt, in dem CAP, in dem man registriert ist.

Zusätzlich sind Notfallärzte (Médicos de Urgencias) eingeteilt, welche alle Walk-Ins ohne Termine übernehmen.

Als Notfälle zählen alle Patienten ohne Termin, die “sofortige” medizinische Behandlung benötigen, von Grippe bis verstauchter Knöchel, oder auch Krankschreibungen für den selben Tag.

CUAP – Centro de Urgencias de Atención Primaria

Ausgewählte CAPs bieten einen 24-Stunden Notfallservice (Urgencias) auch am Wochenende und an Feiertagen an. Die CUAPs sind, wenn die CAPs geschlossen haben, bei Notfällen eine Alternative zu den Krankenhäusern.

Hospitales Públicos (Hospitales Generales Básicos)

Die öffentlichen Krankenhäuser der Grundversorgung sind für alle medizinischen Eventualitäten und Notfälle ausgestattet, für die kein erheblicher Spezialisierungsbedarf besteht. Übersteigt die Pathologie die Kompetenzen des Hospitals Públicos, wird der Patient an ein Krankenhaus einer anderen Versorgungsstufe oder eine Fachklinik überwiesen.

Ins CUAP oder ins Hospital?

Generell sind die Krankenhäuser mehr auf schwerwiegendere Krankheiten oder Unfälle vorbereitet als die CUAPs, z.B. zur Behandlung von Frakturen oder Weichteilschäden und anderen lebensbedrohlichen Situationen.

Ist man unsicher, ob man sich besser ins nächstgelegene CUAP oder Krankenhaus begibt, kann man sich unter folgender Telefonnummer informieren: 061.

Medizinische Versorgung für Urlauber in Barcelona

Anders als in Deutschland, hat man in Spanien nicht die freie Arztwahl und kann sich nicht in jeder beliebigen Praxis behandeln lassen, sondern muss in eines der in Barcelona verteilten Gesundheitszentren, den CAPs (Centro de la Atención Primaria), wo man einen Arzt zugewiesen bekommt. Für Touristen ist das ausnahmslos der für Urgencias zuständige Notfallarzt.

Je nach Schwere des medizinischen Notfalls kann man sich alternativ direkt in ein öffentliches Krankenhaus (Hospital Público) begeben, bzw. einen Krankenwagen unter der allgemeinen Notrufnummer 112 rufen.

Man sollte sicherstellen, in ein öffentliches Krankenhaus (Hospital Público) gebracht zu werden, private Kliniken sind teuer und werden von der gesetzlichen deutschen Krankenversicherung nicht übernommen.

Abrechnung über die deutsche gesetzliche Krankenversicherung und EHIC

Wer in Deutschland gesetzlich krankenversichert und im Besitz der Gesundheitskarte ist, hat auf deren Rückseite die Europäische Krankenversicherungskarte abgedruckt, welche in Spanien anerkannt wird. Die Karte muss am Empfangschalter des CAP oder Hospitals vorgelegt werden, die Kosten werden dann zwischen der spanischen und deutschen Sozialversicherung verrechnet.

Beantragung der EHIC Karte für Sozialversicherte in Spanien
Während man in Deutschland die Europäische Krankenversicherungskarte automatisch mit der Gesundheitskarte bzw. Versicherungskarte der gesetzlichen Krankenversicherung erhält, muss diese in Spanien bei der INSS beantragt werden.
Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten eines Arztbesuchs im Ausland nur bei Bedarf von unmittelbar erforderlicher medizinischer Behandlung, oder zur fortlaufenden Behandlung bei chronischen Erkrankungen, z.B. Diabetes. Generell werden dabei die Kosten übernommen, welche auch in Deutschland bei selber Behandlung anfallen würden und von der gesetzlichen Krankenkasse gedeckt sind.

In der Vergangenheit wurden Fälle bekannt, in denen öffentliche Gesundheitszentren oder Krankenhäuser in Spanien die EHIC nicht anerkennen wollten und auf private Abrechnung bestanden, oder die Patienten an private Kliniken verweisen wollten. Diese Fälle ereigneten sich aber vor allem in touristischen Hochburgen, die meisten Gesundheitszentren in Barcelona sind zwischenzeitlich mit der EHIC vertraut.

Urlauber mit privater Auslandskrankenversicherung

Hat man in Deutschland eine private Auslandskrankenversicherung abgeschlossen, kann man zu einem beliebigen Arzt oder Klinik gehen. Die Kosten müssen vor Ort bezahlt und die Rechnung nach Rückkehr in Deutschland bei der Versicherung zur Erstattung eingereicht werden.


Medizinische Versorgung für Sozialversicherte in Spanien

Anmeldung bei der gesetzlichen Krankenversicherung

Um Anspruch auf das öffentliche, spanische Gesundheitssystem zu haben, muss man bei der gesetzlichen Krankenversicherung angemeldet sein.

Jeder, der in Barcelona einen Job aufnimmt, wird automatisch vom Arbeitgeber bei der Sozialversicherung angemeldet.

Auch ohne Arbeit kann man in einem Büro der Tesorería General de la Seguridad Social (TGSS) eine Sozialversicherungsnummer beantragen.

Anmeldung im CAP und Beantragung der Tarjeta Sanitaria

Der nächste Schritt ist die Registrierung in einem der CAPs und Beantragung der Tarjeta Sanitaria
(die Krankenversicherungskarte), mit der man alle Dienstleistungen des öffentlichen, spanischen Gesundheitssystems nutzen kann. Dazu braucht man:

  • NIE und/oder Reisepass
  • Aktuelles (nicht älter als 3 Monate altes) Certificado de Empatronamiento, das Zertifikat über Registrierung des Wohnsitzes im Ayuntamiento (Rathaus)
  • Kopie des Dokuments über Zugehörigkeit zur Seguridad Social

Mit diesen Unterlagen begibt man sich in das für seinen Bezirk zuständige CAP (kann im Ayuntamiento bei Empatronamiento erfragt werden, oder über die Webseite des CatSalut), wo man eine vorläufige Tarjeta Sanitaria aus Papier erhält; die Plastikkarte wird später per Post zugestellt. Bei Anmeldung im CAP wird einem im selben Moment ein Hausarzt, der Médico de Cabecera zugewiesen.

Private Krankenversicherungen

Ergänzend zur gesetzlichen Krankenversicherung, können private Krankenversicherungen abgeschlossen werden.

Versicherungsanbieter wie z.B. Sanitas oder Adeslas haben teilweise eigene Gesundheitszentren und Krankenhäuser, sowie eine Liste von kooperierenden privaten Praxen.

Zahnpflege-Versicherungen sind in den Basisversicherungen nicht enthalten und müssen zusätzlich abgeschlossen werden.

Die Baja Médica (ärztliches Arbeitsunfähigkeitsattest) kann nur von den Ärzten des CatSalut im CAP ausgestellt werden.

Vorteile und Leistungen einer privaten Krankenversicherung

Der grösste Vorteil einer privaten Krankenversicherung ist die schnellere Behandlung, da die Mediziner des öffentlichen Gesundheitssystems in Spanien und vor allem die spezialisierten Ärzte meist sehr ausgelastet sind und oft über Wartelisten verfügen.

Je nach Versicherungspolice zahlt man zusätzliche Beiträge für Extra- Leistungen wie z.B. private Krankenhäuser mit Einzelzimmer.

Entgegen häufiger Vermutung, sind die Ärzte der privaten Kliniken nicht zwangsläufig kompetenter, im Gegenteil haben die Mediziner des öffentlichen Gesundheitssystems durch die schiere Masse von Patienten oft mehr Erfahrung aufzuweisen, als Ärzte des privaten Sektors.

Können Arzttermine während der Arbeitszeit wahrgenommen werden?

Termine bei seinem Médico de Cabecera kann man sich telefonisch oder Online holen.

Je nach Firma und Convenio (Arbeitsvereinbarung der Firma) werden den Mitarbeitern jährliche Arztstunden gewährt. Das geschieht jedoch auf freiwilliger Basis, verpflichtet sind die Firmen dazu nicht und können darauf bestehen, dass Arzttermine ausserhalb der Arbeitszeit wahrgenommen werden. Eine Ausnahme sind Vorsorgeuntersuchungen bei Schwangerschaft, diese sind gesetzlich geregelt.

Der Besuch muss vom Arzt mit einem Justificante mit Datum und Dauer des Besuchs belegt werden.

IT-Incapacidad Temporal | Die Temporäre Arbeitsunfähigkeit (Krankschreibung)

Ist man als Arbeitnehmer wegen Krankheit oder Unfall vorübergehend nicht fähig zu arbeiten, benötigt man die Baja Médica, die ärztliche Bescheinigung. Während der Dauer der IT wird dem Arbeitnehmer eine Entgeldersatzleistung von der Seguirdad Social oder der Mutua ausgezahlt, um seinen Verdienstausfall abzudecken.

Gesetzliche Ansprüche des Arbeitnehmers während der IT

Laut Gesetz hat der Arbeitnehmer während der ersten 3 Tage seiner Krankschreibung keinen Anspruch auf Gehalt, manche Firmen setzen auf freiwilliger Basis die Gehaltszahlung fort (muss im Convenio, der Arbeitsvereinbarung, festgelegt sein).

Vom 4. bis 15. Krankheitstag zahlt die Firma das Gehalt wie gewohnt und ab dem 16. Tag übernimmt entweder die Sozialversicherung (INSS) oder die Mutua der Firma die Entgeldersatzleistung.

Laut Gesetz erhält der Arbeitnehmer ab dem 4. bis zum 20. Tag der IT 60% und ab dem 21. Krankheitstag 75% des Gehalts. Auch hier übernehmen manche Firmen auf freiwilliger Basis die Differenz, so dass der Arbeitnehmer weiterhin auf 100% seines Gehalts kommt.

Um während der IT Anspruch auf Sozialleistung zu erhalten, muss man mindestens 180 Tage in Spanien gearbeitet und monatliche Sozialabgaben geleistet haben, ausgenommen bei berufsbedingter Krankheit und (Arbeits-) Unfall.

Die Baja Médica – Die ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung

Hat man einen Job in Barcelona und ist wegen Krankheit nicht fähig diesen anzutreten, verlangen die meisten Firmen bereits ab dem ersten Krankheitstag die Baja Médica – die Krankschreibung vom Arzt. Die Baja Médica erhält man in den CAPs, entweder vom Médico de Cabecera oder vom Notfallarzt.

So holt man sich die Baja Médica, Schritt für Schritt
Am ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit begibt man sich in sein zuständiges CAP. Da normalerweise kurzfristig keine Termine für den Médico de Cabecera vergeben werden, bittet man am Informationsschalter um einen Termin bei “Urgencias”.
Unter Notfälle versteht sich alles, für das man keinen Termin hat, also auch etwas banales wie Schnupfen oder Magenverstimmung für das man eben die Krankschreibung benötigt. Vor dem Sprechzimmer wartet man, bis man aufgerufen wird, je nach Patientenaufkommen und Jahreszeit kann das auch etwas länger dauern.
Bevor man ins Behandlungszimmer des Arztes gerufen wird, muss man üblicherweise einen Umweg über das danebenliegende Sprechzimmer der Enfermera (Krankenschwester) bzw. des Enfermero (Krankenpflegers) einlegen, welche nach den Symptomen fragen und evtl. eine kurze Untersuchung durchführen, wie z.B. Fieber- oder Blutdruckmessen. Handelt es sich um schwerwiegendere Beschwerden, wird man (nach erneutem Warten) ins Behandlungszimmer des Arztes weitergeleitet.
Wer die Baja Médica benötigt, muss zwangsläufig in das Sprechzimmer des Arztes, da die Enfermeros nicht befugt sind, die Krankschreibung auszustellen.

Woraus besteht die Baja Médica und wie lange ist sie gültig

Mit der Baja Médica wird ärztlich die Incapacidad Temporal (IT) – die vorläufige Arbeitsunfähigkeit-bestätigt. Sie besteht aus 2 Teilen: einer für den Patienten, worauf der Krankheitsgrund aufgeführt wird, und einer für den Arbeitgeber, auf dem aus Datenschutzgründen die Diagnose unterdrückt ist.

Auf beiden Teilen steht die voraussichtliche Dauer der Baja und der Tag, an dem man spätestens wieder beim Arzt zu einer Folgeuntersuchung erscheinen muss. Bei Bajas unter 5 Tagen wird gleichzeitig die Alta vergeben.

Fühlt man sich nach Ablauf der Dauer der Baja noch nicht wieder arbeitsfähig, kann diese vom Arzt verlängert werden. Bei längerfristigen Krankheiten muss alle 14 – 35 Tage der Médico de Cabecera aufgesucht werden, welcher die Parte de Confirmación – die Bestätigung der Baja ausstellt.

Was ist, wenn mich der Arzt nicht krankschreiben will
Manche Ärzte und CAPs sind grosszügiger mit Krankschreibungungen als andere. So kann man an einen Arzt geraten, der einen je nach schauspielerischem Talent wegen eines Kratzens im Hals 4 Tage krankschreibt, oder einen “todkrank” mit Grippe zur Arbeit schickt, weil man kein Fieber aufweisen kann.
Die meisten Ärzte sind sich der Verantwortung bewusst, die sie übernehmen, wenn sie eine kranke Person gegen deren Willen zur Arbeit schicken und mit etwas Beharrlichkeit erhält man fast immer die Baja Médica.
Sollte dir der Arzt partout nicht die Baja Médica geben wollen, oder du dich nach Verschreiben des obligatorischen Ibuprofen in der Lage fühlen zu arbeiten, solltest du dir zumindest ein Justificante, eine Bestätigung über den Arztbesuch, ausstellen lassen, damit dir dieser nicht als unentschuldigte Fehlzeit angerechnet wird.

Die Alta Médica – die medizinische Arbeitsfähigkeitsbescheinigung nach Krankheit

Bei Genesung wird vom Arzt die Alta Médica erstellt, mit ihr wird bescheinigt, dass der Arbeitnehmer fähig, ist seinen Job wieder anzutreten. Die Alta hebt also die Baja Médica auf, gleichzeitig erlischt das Recht auf Krankengeld von der INSS oder Mutua.

Bei sehr kurzen Krankschreibungen bis zu 4 Tagen wird die Alta zeitgleich mit der Baja ausgestellt, so spart man sich den zweiten Arztbesuch. Auch in diesem Fall gilt, sollte man sich nach Ablauf der Baja noch unwohl fühlen, kann diese nach erneutem Arztbesuch verlängert werden. Sollte man sich vor Ablauf der Baja Médica arbeitsfähig fühlen, muss das Datum der Alta vom Arzt geändert bzw. vorverlegt werden.

Kommunizieren der Baja und Alta Médica dem Arbeitgeber

Die meisten Firmen bestehen bereits ab dem ersten Krankheitstag auf die Baja Médica, ansonsten wird dieser als unentschuldigter Fehltag gezählt und kann im schlimmsten Fall zur Kündigung führen.

Als Arbeitnehmer ist man verpflichtet, dem Arbeitgeber innerhalb von 72 Stunden die Baja und alle anschliessenden Bestätigungen (die Partes de Confirmación da la Baja) weiterzuleiten.

Dabei ist gesetzlich nicht festgelegt, auf welchem Weg man der Firma das Dokument zukommen lassen muss. Normalerweise eine E-Mail mit Kopie oder Foto des für den Arbeitgeber bestimmten Teils der Baja. Das Original kann auf dem Postweg, über Dritte oder persönlich nach Genesung nachgereicht werden.

Die Firma muss ihrerseits die Baja an die Seguridad Social weiterleiten, die ab dem 16. Tag Krankengeld zahlt.

Der Krankheitsgrund fällt unter Datenschutz und muss der Firma nicht mitgeteilt werden.

Die Alta Médica muss innerhalb von 24 Stunden an den Arbeitgeber weitergeleitet werden. Auch hier reicht ein Foto bzw. eine Kopie per E-Mail, das Original wird bei Wiedereintritt in der Firma abgegeben.

Kooperierende (bzw. kontrollierende) Institutionen der spanischen Sozialversicherung: Mutua und ICAM


Die Mutuas Colaboradoras con la Seguridad Social und deren Aufgabe

Die Mutuas sind vom Ministerium für Arbeit und Sozialer Sicherheit authorisierte Zusammenschlüsse privater Unternehmer, eine Art Berufsgenossenschaft. Sie sind zuständig für die Verbesserung der Arbeits- und Gesundheitsbedingungen in Betrieben und der Prävention von Risiken am Arbeitsplatz und Träger der gesetzlichen Unfallversicherung.

Zusammen mit der INSS verwalten sie ausserdem die Zahlungen von Sozialleistungen an Arbeitnehmer und Selbständige bei Arbeitsausfällen aufgrund nicht-berufsbedingten Krankheiten oder Unfällen.

Unterschied zwischen einer Mutua und der gesetzlichen Sozialversicherung

Alle Unternehmen und deren Arbeitnehmer müssen bei einer Mutua gegen das Risiko von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten versichert sein.

Um Lohnersatzzahlungen bei allgemeinen Krankheiten abzudecken, kann der Arbeitgeber entscheiden, ob er seine Arbeitnehmer über die INSS oder eine Mutua krankenversichern will, die Höhe der Sozialabgaben ist in beiden Fällen die gleiche.

Ein ausschlaggebender Vorteil für den Arbeitgeber, sich einer Mutua anzuschliessen, sind deren grössere Ressourcen und der darauf resultierenden schnelleren Diagnose und Behandlung, was zu schnellerer Genesung und weniger Produktivitätsverslust durch Krankheitsausfälle führt.

2018 waren von 18.145.243 Arbeitnehmern in Spanien 13.957.927 bei einer Mutua gegen Arbeitsausfall durch allgemeine Krankheiten versichert, 4.151.090 bei der INSS und 36.226 über das Instituto Social de la Marine (die für Seemänner zuständige, gesetzliche Sozialversicherung).
(Quelle: El País, Artikel vom 28.09.18)

Die Rolle der Mutua bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten

Mutua bedeutet gegenseitig und ursprünglich wurden sie gegründet, um die Lohnersatzzahlungen von kranken Arbeitnehmern durch Arbeitsunfälle abzudecken.
(Früher: Mutua de Accidentes de Trabajo y Enfermedades Profesionales de la Seguridad Social)

Auch heute noch übernimmt die Mutua die Ausstellung der Baja Médica bei temporärer Arbeitsunfähigkeit durch Arbeitsunfall oder Berufskrankheit und die medizinische Rehabilitierung.

Darüber hinaus obliegt es den Berufsgenossenschaften, die Unfall- und Krankheitsfolgen durch Geldzahlungen finanziell auszugleichen

Ausserdem entschädigen die Mutuas den Versicherten bei Arbeitsausfall finanziell in Form von Geldzahlungen.

Die Rolle der Mutua bei Allgemeinen Krankheiten (nur wenn sich das Unternehmen einer Mutua angeschlossen hat)

Über die Jahre sind die Verantwortungsbereiche und die Eigenmächtigkeit der Mutuas gewachsen und heute arbeiten sie auch bei “Allgemeinen” Krankheiten und Unfällen (also alles was nicht in den Bereich Arbeitsunfälle oder Berufskrankheit fällt) eng mit der Seguridad Social zusammen.
(Heute: Mutua Colaboradora con la Seguridad Social)

Dabei macht es sich die Mutua hauptsächlich zur Aufgabe, die durch allgemeine Krankheiten verursachten Fälle von vorläufiger Arbeitsunfähigkeit zu kontrollieren und die Zahlung von Sozialleistungen mitzuverwalten und in Schranken zu halten, weshalb sie bei Arbeitnehmern einen schlechten Ruf genießt.

Bei Krankheiten oder Unfällen, die nicht durch bzw. während der Arbeit verursacht wurden, ist primär weiterhin das CatSalut für die Heilung des kranken Arbeitnehmers verantwortlich.

Das heisst die Baja und Alta Médica wird wie bereits erläutert von den Ärzten im CAP ausgestellt, welche auch für die Behandlung und Kontrolluntersuchungen zuständig sind.

Die Mutua kann aber eine zweite Meinung abgeben und Massnahmen zu einer schnelleren Diagnose und Behandlungen ausführen, wenn diese vom CatSalut genehmigt wurden.

Die Rechte der Mutua und des Arbeitnehmers

Ist der Arbeitgeber Mitglied einer Mutua, ist diese bemächtigt, den von den Ärzten des CatSalut krankgeschriebenen Arbeitnehmer zu eigenen medizinischen Untersuchungen zu zitieren und den Verlauf der Krankheit zu kontrollieren, mit dem Ziel die Dauer der Arbeitsunfähigkeit so kurz wie möglich zu halten.

Unter anderem kann die Mutua

  • in die Krankheitsgeschichte des Arbeitnehmers einsehen
  • ab dem 1. Krankheitstag in die Behandlung des Arbeitnehmers eingreifen
  • die Alta Médica beantragen
Die Mutuas dürfen aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Information über die Krankheit der Arbeitnehmer an die Unternehmen weiterleiten.

Der Arbeitnehmer muss mindestens 4 Tage vor einem Termin schriftlich per Einschreiben informiert werden. Ruft die Mutua vorher an, muss der Arbeitnehmer keine telefonische Auskunft über seinen Krankheitsverlauf oder andere sensible Daten geben und kann immer auf schriftliche Benachrichtigung über Termine (mit Einhalten der Frist) bestehen.

Werden diese Bedingungen eingehalten, ist man als Arbeitnehmer wiederum verpflichtet, bei allen Terminen der Mutua zu erscheinen, andernfalls kann es zu einer Suspendierung der Sozialleistungen kommen. Kann man innerhalb von 10 Tage sein Nichterscheinen nicht zufriedenstellend rechtfertigen, kann die temporäre Arbeitsunfähigkeit (IT) storniert und die Alta ausgestellt werden.

Meist bestehen die Termine bei der Mutua aus Kontrollfragen oder einfachen Untersuchungen, wie sie auch vom behandelnden Arzt im CAP durchgeführt werden. Sieht die Mutua weitere Massnahmen zur Rehabilitation vor, müssen diese vom Médico de Cabecera genehmigt werden.

Nach dem ersten Besuch bei der Mutua bekommt man in der Regel direkt dort den nächsten Termin ausgehändigt. Die Mutua kann diese Kontrolluntersuchungen durchführen sooft sie es für nötig hält, bis zur Gesundschreibung.

Beantragung der Alta Médica durch die Mutua

Die Krankschreibung (Baja Médica) und die Gesundschreibung (Alta Médica) bei nicht- arbeits- und berufsbedingten Krankheiten und Unfällen kann nur von Ärzten des CatSalut in den CAPs oder der Inspektion der INSS oder ICAM vorgenommen werden.

Aber: Ist die Mutua der Meinung, die Krankheit hindert den Patienten nicht an der Ausführung seiner Arbeit, kann sie einen Antrag auf die Alta Médica bei der Medizinischen Inspektion der SPS (in Barcelona die ICAM) stellen. Im selben Moment werden auch die INSS und der Arbeitnehmer schriftlich über den Antrag der Alta Médica informiert.

Bürokratische Fristen bei Beantragung der Alte Médica durch die Mutua

Das ICAM hat 5 natürliche Tage Zeit (also einschliesslich Wochenende), den Antrag zu prüfen und der Mutua und der INSS mitzuteilen, ob dem Antrag auf Alta stattgegeben, oder der Antrag abgelehnt wird.

Versäumt es das ICAM der Mutua rechtzeitig und formgerecht zu antworten, kann diese die Alta direkt bei der INSS beantragen, welche wiederum 4 Tage Zeit hat um dem Antrag auf Gesundschreibung zuzustimmen, oder gegenteilig die Arbeitsunfähigkeit zu bestätigen.

Wurde der Mutua nach Verstreichen der Frist keine Entscheidung mitgeteilt, tritt die Regel der “Verwaltungsstille” in Kraft und dem Arbeitgeber wird automatisch die Alta ausgestellt.

Der Arbeitnehmer hat 10 Tage Zeit um Einspruch bei der ausstellenden Stelle einzulegen.

Stellt die INSS die Alta Médica aus und man erleidet in den darauffolgenden 180 Tagen einen Rückfall oder erkrankt an einer anderen Krankheit, kann nur die ICAM die Baja Médica erneuern bzw. ausstellen.

ICAM – Institut Català d’Avaluacions Mèdiques

Das Institut für Medizinische Evaluierung nimmt Inspektionen, Beurteilungen und Kontrollen medizinischer Prozesse im Zusammenhang mit der krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit vor.
Das heisst die ICAM kontrolliert auf Antrag der Mutua, der INSS oder der Ärzte des CAP die Rechtfertigung der IT bzw. der Baja Médica des Arbeitnehmers.

Auch Anträge auf dauerhafte Arbeitsunfähigkeit (Incapacidad Permanente-IP) werden von der ICAM in einem medizinischen Gericht (Tribunal Médico) geprüft und entschieden.

Im Rest Spaniens nennt sich dieses autonome Organ EVI (Equipo de Valoración de Incapacidades).

Medizinische Inspektion durch die ICAM auf Antrag der Mutua

Meist ist es die Mutua, die einen Antrag auf Gesundschreibung bei der ICAM stellt. Doch auch die INSS oder der Médico de Cabecera kann eine medizinische Evaluierung bei der Inspektion der SPS beantragen. Der behördliche Prozess wurde bereits weiter oben erläutert.

Der Arbeitgeber wird von der ICAM schriftlich per Einschreibebrief über den Termin der medizinischen Evaluierung informiert.

Man tut gut daran, dieses Einschreiben entgegenzunehmen bzw. rechtzeitig abzuholen (auch wenn man nach den generellen Postvorschriften 14 Tage Zeit hat, das Dokument abzuholen), da die ICAM innerhalb von 5 Tagen die Situation des Arbeitnehmers begutachten und ihre Entscheidung der Mutua mitteilen muss. Versäumt man den Termin unentschuldigt, kann das automatisch zur Alta Médica führen.

Die Inspektion selbst kann bis zu einer Stunde dauern und man sollte sich auf Fragen nach den genauen Beschwerden, dem aktuellen Gesundheitszustand und der Behandlung (verschriebene Medikamente usw.) einstellen. Eventuell werden auch privatere Fragen zur familiären Situation gestellt.

Vor dem Termin bei der ICAM sollte man sich ein Informe vom Médico de Cabecera holen, in der dein Hausarzt aufführt, warum du nicht fähig bist zu arbeiten. Nach Abwägen der Situation erfährt man am Ende des Gesprächs meist die Entscheidung der Evaluierung, unter Umständen wird die Alta Médica im selben Moment ausgestellt.

Medizinische Inspektion durch die ICAM nach Ablauf der 365 Tage der Baja Médica

Der Médico de Cabecera kann die Baja Médica für maximal 365 Tage ausstellen bzw. bestätigen. Nach Ablauf dieses Jahres wird man ebenfalls zu einer medizinischen Inspektion eingeladen. Auch hier erfolgt die Einladung schriftlich per Einschreibebrief c.a. 14 Tage vor Termin und meist vor Ablauf der 365 Tage, in manchen Fällen wird man aber auch nach Ablauf des Jahres kontaktiert.

Nach Begutachtung der Situation des krankengeschriebenen Arbeitnehmers kann die ICAM:

  • die Alta Médica, also Gesundschreibung
  • Verlängerung der Baja Médica bis zu 6 Monaten
  • Antrag auf Incapacidad Permanente, die permanente Arbeitsunfähigkeit

ausstellen.

Die Entscheidung wird dem Arbeitnehmer c.a. 2 Wochen nach dem Termin per SMS mitgeteilt, auf die ein Einschreibebrief folgt.

Wird die Alta Médica ausgestellt, muss der Arbeitnehmer am darauffolgenden Tag (ausgehend vom Datum der Alta) wieder seine Arbeit aufnehmen; Versäumnis führt im besten Fall zu Entgeldausfall oder im schlimmsten Fall wegen unentschuldigten Fehlens zur fristlosen Kündigung.

Ist die SMS ein rechtlich gültiges Medium
Rechtlich zählt das Datum, an dem man das Einschreiben in Empfang nimmt als Erhalt (des Entschlusses) der Alta Médica. Die SMS gibt dem Arbeitnehmer die Möglichkeit, sich zeitnah auf seine Rückkehr vorzubereiten, was in dessen Interesse liegt. Nimmt man das Einschreiben nicht an und erscheint am angegebenen Tag nicht zur Arbeit, führt das zwar nicht direkt zur Kündigung, die Fehlzeit wird aber weder durch die Seguridad Social, noch durch den Arbeitgeber bezahlt.

Auch hier hat der Arbeitnehmer die Möglichkeit, gegen die Entscheidung der ICAM Einspruch einzulegen.

Erneute Krankheit und Rückfall

Wird man innerhalb von 180 Tagen bzw. 6 Monaten nach Erhalt der Alta Médica durch die ICAM oder INSS krank, kann nur die ICAM eine neue Baja Médica ausstellen.

In diesem Fall muss bei Krankheit wie gewohnt ein Arzt im CAP aufgesucht werden, welcher ein Informe ausstellt (eine Mitteilung mit der Symptomatik und Diagnose). Anschliessend hat man 48 Stunden Zeit bei der ICAM zu erscheinen und die Baja zu beantragen.

Bis zu 6 Monaten nach der Gesundschreibung wird eine Krankheit mit den gleichen Symthomen als Recaída, also Rückfall behandelt und die “alte” Baja Médica fortgesetzt. Sind die 6 Monate verstrichen, handelt es sich (auch bei gleichen Symptomen) um eine neue Krankheit und es wird eine neue Baja Médica (vom CAP) ausgestellt.


Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.