Camp Nou - Das Heimstadion des FC Barcelona

Zuletzt aktualisiert: 26/05/2024
Alex

Eins vorab, das Heimstadion des FC Barcelona ist momentan wegen Umbauten für Besichtigungen und für Spiele geschlossen.

Denn hier entsteht das neue Spotify Camp Nou, das voraussichtlich im Sommer 2026 fertiggestellt sein wird.

Zwischenzeitlich bietet der FC Barça für alle Fußballfans eine Immersive Tour im neuen Barça Museum an, mit einem Rückblick auf die bewegende Geschichte des erfolgreichen Clubs und seine besten Fußball-Momente. Natürlich erhalten Besucher auch eine Vorschau auf das neue, entstehende Spotify Camp Nou.

Wer geräuschliche Untermalung beim Lesen dieses Beitrags wünscht, drücke bitte auf Play:

C/ d'Arístides Maillol 12, 08028 Barcelona

L3 Palau Reial oder L5 Collblanc

Hop On Hop Off Bus: Camp Nou/FC Barcelona

Kleine Geschichte des Camp Nou

Der Football Club Barcelona wurde 1899 von dem Schweizer "Joan" (Hans Max) Gamper gegründet und war der erste Fußballclub in Barcelona, in dem auch Nicht-Katalanen spielen durften. Gamper selbst war einige Zeit Vereinskapitän und später Präsident, als einer der besten Fußballspieler jener Zeit, hält er bis heute den Rekord beim FC Barça für die meisten Tore in einem Spiel (nämlich 9).

Die Geschichte des Clubs und auch die Biographie Gampers sind sehr interessant und bewegend, aber darauf will ich hier nicht weiter eingehen, alle Einzelheiten können auf Wikipedia nachgelesen werden.

Nach 10 Jahren Vagabunden-Dasein, in denen der FC Barcelona von Spielfeld zu Spielfeld pendelte, zog der Club 1909 schließlich in sein erstes, eigenes Stadion. Der Camp del Carrer Industria konnte 6000 Zuschauer aufnehmen und wurde aufgrund seiner diminutiven Ausmaße von Barça-Fans schnell in La Escopidora (der Spucknapf) umbenannt. Trotz des abwertenden Namens galt das Stadium zu jener Zeit als hochmodern und war das erste Fußballstadion in Spanien mit Flutlicht.

Es begann eine Blütezeit des Clubs, der einige Siege gewann und 1919 den Sprung zum Profi-Verein schaffte. Hand in Hand mit Popularität, gewann der Verein auch immer mehr neue Mitglieder und wuchs schnell aus dem Spucknapf heraus, ein neues Stadium musste her.

1922 wurde zu diesem Zweck das Stadion Les Corts errichtet, das eine Kapazität von 30 000 Zuschauern hatte. Der Verein feierte sein "Goldenes Zeitalter" und die Mitgliederanzahl schnellte weiter nach oben. Im Laufe der Jahre wurde die Kapazität des Stadiums auf 60 000 Zuschauer verdoppelt, aber selbst das erwies sich nach einigen spanischen Liga-Siegen nicht mehr als genug. Ein neues Stadion musste her...

Nach dreijähriger Bauzeit wurde 1957 das neue Heimstadion des FC Barcelona, unweit des Stadion Les Corts, eröffnet. Eigentlich sollte das neue Stadion zu Ehren Gampers benannt werden, was aber vom Franco-Regime abgeschmettert wurde. Es scheint, als verging dem Club danach die Lust, nach originellen Namen zu suchen und das Stadion wurde schlicht Estadi del Futbol Club Barcelona genannt. Wie so oft, gaben die Fans dem Stadion seinen "wirklichen" Namen, der schnell übernommen und 2001 offiziell gemacht wurde: Camp Nou, das neue Feld.

Das Camp Nou war bereits vor den Umbauten mit einem Fassungsvermögen von 99 354 Zuschauern das größte Fußballstadion Europas.

Seit Sommer 2023 befindet sich das Camp Nou unter Konstruktion, die Umbauten sollen bis Sommer 2026 andauern.

Die Spieler sollen bereits am 15.12.24 vom Olympischen Stadion Lluís Companys ins Camp Nou zurückkehren und es sollen Spiele mit halber Kapazität ausgetragen werden.

Das neue Spotify Camp Nou

Die Pläne für ein neues, größeres und verbessertes Stadion wurden bereits 2007 geschmiedet. Aufgrund der hohen Kosten und mangelnder Liquidität des Vereins, vergingen 16 Jahre, bis die Bauarbeiten im Juni 2023 schließlich begannen.

Mit Platz für 105 000 Zuschauer, wird das Spotify Camp Nou das größte Stadion der Welt sein. Bis ein anderer Club irgendwo ein neues Stadion baut.

So soll das neue Spotify Camp Nou aussehen

Oberste Priorität war beim Bau des Stadions natürlich die Erhöhung der Kapazität zahlender Zuschauer, aber auch generell soll den Zuschauern ein moderneres Besuchererlebnis geboten und die Infrastruktur verbessert werden. Bewegungseingeschränkten Personen soll der Zugang leichter gemacht werden.

Das neue Stadion baut auf der Struktur des alten Stadions auf, aber ein Teil der Ränge musste eingerissen werden. Hauptsächlich, um Platz für die neuen VIP-Loungen zu schaffen, die sich nach dem sanierten Unter- und Mittelrang auf zwei Ebenen entlangziehen sollen. Darüber soll ein neuer Oberrang entstehen.

Gekrönt werden soll das Stadion von einem 360º Balkon, mit Rundumblick auf Barcelona und auf den Spielerrasen. Die Rundum-Überdachung, die Zuschauer vor Regen schützen soll, wird die größte Abdeckung Europas sein.

Auch Fußballmuffel dürfen sich auf die Terrassenbar auf 50 Meter Höhe freuen, von der man Blick auf das Stadium und auf die Stadt haben wird.

Auch von außen soll das Stadion verschönert werden.

Zwischen den Ringen des Stadions werden sich Lamellen aus Keramik entlangziehen, die nachts beleuchtet und das Stadion in farbigem Licht erleuchten lassen sollen. Auch das Dach wird zur Freude aller Drohnen-Piloten und UFOs gen Himmel strahlen und zur Lichtverschmutzung beitragen.

Im Espai Barça des Museums erfährt man anhand eines Modells und von Bildschirmen alles über die Entstehung des neuen Stadiums.

Abgesehen davon wird Wert auf erneuerbare Energien gelegt und unter anderem auf dem Dach Solarplatten errichtet. Auch eine neue geothermische Anlage soll installiert werden.

Das geschieht ums Stadion herum

Auch wenn der FC Barcelona hauptsächlich für seine Fußballmannschaft bekannt ist, ist er mehr als nur ein Fußballclub. Insgesamt zwölf Sportarten umfasst der Verein, unter anderem Basketball, Handball und Eishockey.

Das Innere des Palau Blaugrana, aktuell die Halle für Ballsport, wird ebenfalls umgebaut und soll als sportlicher und kultureller Veranstaltungsort Platz für 15 000 Zuschauer bieten. Im Projekt Palau Blaugrau sind auch der Petit Palau und die Eissporthalle beinhaltet.

Das Estadi Johan Cruyff in der Sportstadt des FC Barça, soll dem Damenfußball, der Junior League sowie dem B-Team gewidmet sein und auf 360º Platz für 6000 Zuschauer haben.

Auf Modellen erinnert das neue Spotify Camp Nou vor allem tagsüber an ein amerikanisches Einkaufszentrum. Mit Grünflächen, Brunnen und Spiel- und Sportplätzen, soll es auch die Bewohner des Viertels anziehen.

Aber es muss schließlich auch Geld zurück in die leeren Kassen des FC Barças fließen und um das Stadion herum entsteht ein Campus mit Hotel, Restaurationsbereich, Büros sowie Parkplätze für Reisebusse. Die Tiefgarage soll außerdem Stellplätze für Autos und Motorräder bieten. Selbst Urnenplätze sollen gemietet werden können, für alle, für die sich Ewige Ruhe langweilig anhört.

Die Baustelle des neuen Fußballstadiums, umgeben von Kränen.

Das neue, renovierte Museum wird zurück ins Camp Nou ziehen, momentan ist es in der alten Eissporthalle untergebracht. Alles über das FC Barça Museum und die Immersive Tour könnt ihr in meinem Erfahrungsbericht nachlesen.

Die Players Experience Touren sind momentan nur für die Basketball Arena und die Sports City Joan Gamper buchbar. Beide beinhalten die Immersive Tour des FC Barça Museum.

Mes que un Club - Was bedeutet das eigentlich?

Mehr als ein Club - das ist das Motto des Futbol Club Barcelona, der sich zum romantisierten Symbol der Katalanen und ihrem Bestreben nach Unabhängigkeit entwickelt hat. Ein Image, das der Club eifersüchtig pflegt. Ironischerweise war der Club bei seiner Entstehung genau das Gegenteil.

Als Hans Joan Max Gamper 1899 über ein Zeitungsinserat nach Interessenten zur Gründung eines Fußballvereins suchte, tat er das hauptsächlich, weil er als Schweizer vom einzigen Fußball Club in Barcelona abgelehnt wurde, der keine Ausländer aufnahm.

Der Català Futbol Club war der allererste Fußball Verein in Barcelona, nachdem der Sport von britischen Gastarbeitern nach Katalonien gebracht wurde.

Das Gamper seinen neu gegründeten Verein Football Club Barcelona nannte, spricht schon für sich und tatsächlich bestanden die Mitglieder zur Hälfte aus Ausländern (und Protestanten, ein weiteres, leidiges Thema, da die damalige spanische Verfassung nur den Katholizismus als Religion erlaubte).

Naturgemäss waren der FC Barça und der FC Català von Beginn an Erzrivalen. Keiner der Clubs verfügte über ein eigenes Stadion und als sie sich 9 Monate ein Spielfeld teilen mussten, eskalierte die Situation schnell und der FC Barça suchte sich ein anderes Spielfeld, bevor er ein Jahrzehnt später in den Camp del Carrer de la Industria zog.

Über die nächsten Jahre entwickelte sich Gamper, der damals Vereinspräsident war, zu einem aktiven Anhänger des Katalanismus (was wahrscheinlich in den unabhängigkeitsliebenden Genen des Schweizers lag). Während Gampers dritter Amtszeit 1917-1919 identifizierte sich der Verein immer mehr mit Katalonien und führte Katalan als Vereinssprache ein. 1920 wurde der Verein in Futbol Club Barcelona umbenannt, im selben Jahr übrigens, in dem der FC Català aufgelöst wurde.

Während der spanischen Militärdiktatur kam es 1925 während eines Freundschaftsspiels zu Ehren des katalanischen Volkschores gegen die englische Amateurauswahl im Stadion Les Corts zu einem kleinen Skandal. Die traditionell erklingende, spanische Nationalhymne ging in den Pfiffen des emotionalen Publikums unter, während die englische Hymne stürmischen Beifall erhielt.

Das Stadium wurde von der Regierung für mehrere Monate geschlossen und Gamper als Präsident abgesetzt und des Landes verwiesen.

Während der darauffolgenden Franco Diktatur wurde der Verein wieder umbenannt, dieses mal in die spanische Schreibweise Club del Fútbol Barcelona und die katalanische Fahne vom Clubwappen entfernt. Trotz allem oder vielleicht genau deswegen, entwickelte sich das Stadion des FC Barça zu einem Zufluchtsort der Katalanen, wo sie trotz des allgemeinen Verbots auf Katalanisch sprechen und politische Ideen austauschen konnten.

Der FC Barcelona war aber nicht nur Opfer des Franquismus, sondern hatte während der Diktatur auch zahlreiche Erfolge aufzuzeigen. Als umstrittener Lieblingsclub des Diktators (der FC Barça und der Real Madrid streiten sich darum, wer am meisten unter dem Regime litt), wurde der Club mehrmals von Franco aus finanziellen Schlamasseln gezogen und daraufhin als Ehrenmitglied des Clubs aufgenommen. In Politik und Fußball ist eben alles erlaubt.

Geschrieben von Alex

Als ich vor 15 Jahren das erste Mal nach Barcelona kam, habe ich mich sofort in diese wunderschöne Stadt verliebt, also bin ich direkt hiergeblieben und mittlerweile ist Barcelona zu meiner Heimat geworden. In diesem Blog will ich euch "meine" Stadt vorstellen und euch zeigen, was Barcelona so besonders macht.

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